Nicht-valvuläres Vorhofflimmern: Menschen ab 60 Jahren haben ein erhöhtes Demenzrisiko - auch ohne Schlaganfall

  • European Heart Journal

  • von Dr. Carola Krause
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Koreanische Forscher haben in einer Langzeitstudie herausgefunden, dass nicht-valvuläres Vorhofflimmern ein Risikofaktor für die Entwicklung von vaskulärer und Alzheimer-Demenz bei Menschen ab 60 Jahren ist, auch wenn diese keinen Schlaganfall erlitten haben. Daher könnte die Vorbeugung von Vorhofflimmern ein Mittel sein, um das Auftreten von Demenz-Symptomen zu verringern. Bei Patienten mit nicht-valvulärem Vorhofflimmern legen die Ergebnisse der Studie nahe, dass einer Demenz durch Antikoagulanzien vorgebeugt werden könnte.

Hintergrund

Vorhofflimmern (VHF) ist das häufigste Herzrhythmusproblem bei älteren Menschen. Mehr als die Hälfte der VHF-Patienten sind 80 Jahre oder älter. Bis dato habe es nur inkonsistente Hinweise darauf gegeben, dass VHF zur Entwicklung von Denkproblemen und Demenz beitragen können, begründen die Autoren ihre Langzeitstudie.

Nicht-valvulär bedinges Vorhofflimmern erhöt das Risiko für Demenz

Die Forscher haben nun in einer aktuellen Studie 262.611 Personen ab 60 Jahren auf den Zusammenhang zwischen VHF und Demenz untersucht. Probanden aus der Seniorenkohorte des Koreanischen Krankenversicherungsdienstes, die frei von VHF und Demenz waren, wurden 2004 in die Studie inkludiert und bis Ende 2013 verfolgten. In dieser Zeit wurden 10.435 VHF-Ereignisse registriert. Bei denjenigen, die eine nicht-valvulär bedingtes VHF entwickelten, entwickelten 24,4 % (2.522) in der Nachbeobachtungszeit eine vaskulärer oder Alzheimer-Demenz.  Bei den VHF-freien Probanden entwickelten dahingehend 14,4 % (36.322) eine vaskulärer oder Alzheimer-Demenz.

Die Forscher stellten fest, dass VHF-Patienten, im Vergleich zu VHF-freien Probanden, ein um 50 % erhöhtes Risiko hatten, an Demenz zu erkranken. Dieses erhöhte Risiko blieb bestehen, auch nachdem diejenigen, die einen ischämischen oder hämorrhagischen Schlaganfall erlitten hatten, aus den Berechnungen eliminiert wurden.

Die Forscher weisen darauf hin, dass ihre Ergebnisse nur zeigen, dass ein Zusammenhang zwischen VHF und Demenz besteht und nicht, dass VHF Demenz verursacht. Ein möglicher Mechanismus, wie VHF Demenz verursachen kann, besteht darin, dass VHF-Patienten häufig Veränderungen an den Blutgefäßen in ihrem Gehirn aufweisen, möglicherweise aufgrund von kleinen Schlaganfällen, die zu klein sind, um klinische Symptome zu zeigen.

Orale Antikoagulanzien zur Vorbeugung von Demenz

Die Studie zeigt weiterhin auf, dass bei Menschen, die VHF entwickelten und orale Antikoagulanzien wie Warfarin oder Nicht-Vitamin-K-Antikoagulanzien einnahmen, das Risiko abnahm, später eine Demenz zu entwickeln.

Es wird erwartet, dass Nicht-Vitamin-K-Antikoagulanzien, die ein signifikant geringeres Risiko für Hirnblutungen aufweisen als Warfarin, hinsichtlich der Vorbeugung von Demenz wirksamer sind als Warfarin. Dies soll nun in einer weiteren klinischen Studie (NCT03061006) beantwortet.

Finanzierung: National Research Foundation of Korea, Korean Healthcare Technology R&D & Korean Ministry of Health & Welfare