Nicht-steroidaler Entzündungshemmer kein Antidementivum


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Der nicht-steroidale antientzündliche Wirkstoff Naproxen schützt Patienten, die ein erhöhtes Risiko für die Alzheimer-Krankheit haben, nicht vor der Progression zur manifesten Demenz.

Hintergrund

Seit Jahren suchen Forscher nach Therapien, die die Alzheimer-Erkrankung verhindern oder die rasche Progredienz zur Demenz stoppen können. Da bei der neurodegenerativen Erkrankung entzündliche Prozesse vorkommen, sind auch Entzündungshemmer (NSAID) als Wirkstoffe gegen die Erkrankung erprobt worden. Bei Patienten, die bereits Demenz-Symptome hatten, verliefen Studien mit NSAID jedoch negativ, eine Wirksamkeit konnte nicht belegt werden. Wie bei „Negativ-Studien“ mit anderen Wirkstoffen wurde als möglicher Grund auch im Fall der NSAID angenommen, dass die Therapie möglicherweise zu spät gekommen sei, eine frühere Behandlung jedoch wirksam sein könnte. Anlass für die aktuelle Studie zu Naproxen waren Hinweise aus einer früheren Studie, wonach der Entzündungshemmer die Progression zu einer Alzheimer-Demenz bremsen könnte.

Design

An der zweijährigen Studie mit dem Namen INTREPAD nahmen 195 kognitiv gesunde Personen mit einem familiär erhöhten Alzheimer-Risiko teil. Das Durchschnittsalter betrug 63 Jahre. Die Studienteilnehmer erhielten im Verhältnis von 1 zu 1 Naproxen (220 mg/2 x täglich) oder Placebo. 62 Studienteilnehmer nahmen Naproxen über die gesamte Zeit von 24 Monaten; in der Placebo-Gruppe waren es 61, die ihr Studien-Präparat während der zwei Jahre einnahmen. Für die Beurteilung des Effektes wurde der „Alzheimer Progression Score“ (APS) verwendet, bei dem eine Vielzahl von unterschiedlichen Parametern berücksichtigt werden (etwa bildgebende Befunde, Biomarker im Liquor u.a,). 

Hauptergebnis

Zwischen der Gruppe mit dem NSAID und der Gruppe mit dem Placebo gab es beim Endpunkt APS  keine signifikanten Unterschiede nach 3, 12 und 24 Monaten. Naproxen erwies sich demnach als unwirksam. Auch bei einzelnen sekundären Endpunkten schnitt Naproxen nicht signifikant besser ab als das Scheinmedikament. Darüber hinaus sprechen den Autoren zufolge auch weitere Analysen gegen einen Nutzen des Entzündungshemmers. 

Klinische Bedeutung

Wie bei vielen Studien zu neuen Wirkstoffen gegen de Alzheimer-Demenz kann auch bei dieser Studie darüber spekuliert werden, ob das Ergebnis für Naproxen positiv ausgefallen wäre, hätte die Therapie sehr viel früher begonnen. Möglicherweise war die Studie für den Nachweis eines statistisch signifikanten und auch klinisch relevanten Effektes „underpowered“. Fakt ist allerdings, dass es bislang keinen wissenschaftlichen Beleg für einen Nutzen von Naproxen bei der manifesten Alzheimer-Demenz und in präsymptomatischen Stadien gibt. Die Suche nach wirksamen Pharmakotherapien oder medikamentösen Optionen zur Prävention der neurodegenerativen Erkrankung muss als weitergehen.

Finanzierung: McGill University, Pfizer Canada, Canada Fund for Innovation