Nicht nur „eiserner Wille“, sondern auch „gute Gene“ halten schlank


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Manche Menschen bleiben trotz vieler kulinarischer Verlockungen ihr Leben lang schlank. Der Grund dafür ist nicht eine besondere Willensstärke, sondern eine spezielle Gen-Mutation - und zwar eines Gens, dessen Mutationen in der Regel zu Übergewicht und Adipositas führen. Aus diesen Befunden von britischen Forschern ergeben sich vielleicht neue Ansätze für die Prävention und die Therapie der Adipositas.

Stets hungrig oder stets satt

Das Gen, um das es hier geht, ist das Gen mit der Bauanleitung für den Melanocortin-4-Rezeptor (MC4R), über den zum Beispiel Körpertemperatur und Energiehomöostase reguliert werden. Mutationen im MC4R-Gen können auch bei Heterozygoten mit Adipositas einhergehen. Grund ist ein vermindertes oder fehlendes Sättigungsgefühl: weil den Betroffenen das Sättigungssignal fehlt, das über den MC4-Rezeptor vermittelt wird, haben sie ständig Hunger. Es gibt aber auch Menschen, die einen normalen Metabolismus haben, aber eher selten hungrig sind oder keinen Appetit haben und daher ihr Leben lang schlank sind. 

Gen-Varianten „entscheiden“ über dick oder dünn

Ein Wissenschaftler-Team um Professorin Sadaf Farooqi von der Universität von Cambridge hat dafür nun eine Erklärung gefunden. Festgestellt haben sie dies durch Analysen der DNA sowie der medizinischen Unterlagen von rund 450.000 Erwachsenen (Alter 40 bis 69 Jahre) aus der UK-Biobank. Bei ihnen fanden sie 61 Varianten des MC4R-Gens. Bei den meisten dieser Mutationen handelte es sich um so genannte Loss-of function-Mutationen, die zu einem Funktionsverlust des Genproduktes führen. Im konkreten Fall des MC4R-Gens waren diese Mutationen mit Adipositas und kardiometabolischen Erkrankungen (Typ-2-Diabetes und KHK) verbunden.

Bei rund 28.000 Personen (etwa sechs Prozent) stellten Sadaf Farooqi und ihre Mitarbeiter jedoch eine so genannte Gain-of-Function-Mutation fest (überwiegend ein Allel). Solche Mutationen führen zu einer Verstärkung der Gen-Aktivität oder auch einer neuen Funktion. Bei den rund 28.000 Personen der Studie waren sie mit einem Schutz vor Adipositas und auch kardiometabolischen Erkrankungen assoziiert. Die Wissenschaftler erklären dies damit, dass bei Trägern dieser Gen-Varianten das  MC4R-Gen stets aktiv war; die Folge: Die Betroffenen erhielten ständig das Signal, satt zu sein.  

Finanzierung: EU, britischer Staat, Universität von Cambridge, Wellcome Trust.