Nicht nur bei Pandemie: AOK Plus begrüßt Telefon-AU

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Dresden/Erfurt (pag) – Krankschreibungen per Telefon bei leichten Erkältungen sind seit dem 1. Juni nicht mehr möglich. Doch diese Corona-Sonderregelung habe sich bewährt, eine Fortführung sei eventuell sinnvoll. Das denkt nicht nur der Deutsche Hausärzteverband, der für eine Verlängerung plädierte, sondern auch die AOK Plus in Sachsen und Thüringen.

 

Die Krankenkasse geht nicht davon aus, dass die telefonische Ausstellung einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) missbraucht wurde – und legt in ihrem Blog dafür Zahlen vor. Zwar seien in Sachsen und Thüringen die Krankmeldungen bei Erkältungen deutlich nach oben gegangen, als die Telefon-AU eingeführt wurde – auf fast 40.000 in der zwölften Kalenderwoche –, doch „innerhalb von zwei Wochen sind diese bis unter das Vorjahresniveau gesunken und haben dieses eine Woche später sogar noch halbiert“. Mögliche Gründe dafür seien laut AOK Plus: Kontaktverbote, genauere Einhaltung der Hygieneregeln, das schöne Wetter, Homeoffice, weniger Stress. Auch bei anderen Erkrankungen verzeichnet die Kasse einen erheblichen Rückgang. So seien vor der Pandemie seit Jahresbeginn circa 60.000 AU-Fälle pro Woche eingegangen, nach Einführung der Corona-Maßnahmen lägen diese nur noch bei etwa 25.000.

 

Die Bedenken gegenüber der Telefon-AU ließen sich aus diesen Zahlen nicht belegen, zieht die AOK Fazit. „Es scheint vielmehr so, dass dieses Angebot ein probates Mittel darstellen kann, um während zukünftiger Erkältungs- und Grippesaisons Praxen und Patienten zu entlasten und Ansteckungsketten zu unterbrechen. Der Gemeinsame Bundesausschuss sollte die Telefon-AU einer genauen Evaluation unterziehen, um deren Wirkung und potenzielle Nutzbarkeit genau zu prüfen.“

Auch die Techniker Krankenkasse berichtet von sinkenden AU-Zahlen: Der Mai 2020 sei der Monat mit dem niedrigsten Krankenstand seit zehn Jahren gewesen.

 

Am 26. Juni hat der Gemeinsame Bundesausschuss am beschlossen, die Telefon-AU in den Landkreisen Gütersloh und Warendorf, die als Corona-Hotspots gelten, zunächst bis zum 14. Juli wieder zuzulassen.