Nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom: PD-L1-Expression und Lymphozyteninfiltration als Prognosemarker relevant

  • Journal of Thoracic Oncology

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei operablen nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinomen ist eine Infiltration des Tumors mit T- und B-Lymphozyten bei Patienten ohne Checkpoint-Inhibitor-Therapie mit durchschnittlich längeren Überlebenszeiten assoziiert als ein geringer Infiltrationsgrad durch Immunzellen. Die PD-L1-Expression wiederum hat für die Untergruppe der Nie-Raucher Bedeutung: Je höher die PD-L1-Expression im Tumor, desto kürzer das Überleben der Patienten.

Hintergrund

Viele Tumore haben antigene Komponenten auf der Oberfläche ihrer Zellen und ihr Wachstum wäre grundsätzlich immunologisch kontrollierbar. Bei soliden Malignomen müssen für eine Immunkontrolle die Lymphozyten in das Tumorstroma einwandern. Dort allerdings kann ihre Aktivierung noch durch die Krebszellen unterdrückt werden: Wenn diese vermehrt Checkpoint-Proteine wie PD-1 oder PD-L1 bilden. Die Proteine hemmen die Aktivierung von Immunzellen (tumor immune escape mechanism). Seit Längerem wird untersucht, bei welchen Malignomen die Lymphozyteninfiltration und die Expression von Checkpoint-Proteinen prognostische Bedeutung haben und ob sie sich als Biomarker eignen. In einer Studie mit zwei großen schwedischen Kohorten ist dies für das nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom (NSCLC) untersucht worden.

Design

  • immunhistochemische (IHC) und molekularbiologische Charakterisierung bioptischen Materials von NSCLC mit dem Schwerpunkt auf Lymphozyteninfiltration (Subpopulationen von T- und B-Lymphozyten)
  • Gesamtkohorte der Patienten aus 2 schwedischen Studien: 705 Patienten mit vergleichsweise kleinen, operierten Tumoren die keine neoadjuvante Behandlung benötigen und keine Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren erhalten hatten
  • Analysen zur Assoziation von Immunmarkern auf das Überleben stratifiziert nach Alter, Geschlecht, Raucherstatus, histologischen Eigenschaften der Tumoren und Proliferationsgrad

Hauptergebnisse

Eine hohe Zahl an CD4+ T-Helfer- und an CD8+ T-zytotoxischen Zellen im Tumorgewebe war mit einem signifikant höheren Gesamtüberleben assoziiert als ein geringer Infiltatrionsgrad dieser Lymphozyten. Die Unterschiede in der Prognose (kumulatives Gesamtüberleben) betrugen 2 bis 3 Jahre. Diese günstigen Effekte waren bei schnell wachsenden Tumoren stärker ausgeprägt als bei vergleichsweise langsam wachsenden. Eine schlechtere Prognose hatten Patienten mit einer stärkeren Infiltration des Tumors durch T-regulatorische Zellen (FOXP3+). Ein überraschendes Ergebnis war: Für die Gesamtgruppe gab es keinen Zusammenhang zwischen der PD-L1-Expression und der durchschnittlichen Überlebenszeit. Ein Unterschied fand sich aber in der Subgruppe der Patienten, die nie geraucht hatten: Bei einer PD-L1-Expression in der IHC ≥ 50 % lag das Überleben bei durchschnittlich 2,79 Jahren, bei einer PD-L1-Expression

Klinische Bedeutung

Bei der Planung von Therapiestudien, aber auch als mögliche Zusatzinformation für die Therapie von NSCLC-Patienten außerhalb von Studien sollten bei einer Bestimmung der Lymphozyteninfiltration sowohl der PD-L1-Status, als auch der Proliferationsgrad als Prognosemarker mitberücksichtigt werden. Deren Bedeutung für das Überleben wiederum ist abhängig vom Raucherstatus des Patienten.

Finanzierung: Schwedische Krebsgesellschaft