Nicht-alkoholische Fettleber: Risiko für die Progression zur Zirrhose lässt sich auch ohne Biopsie abschätzen

  • Lancet Gastroenterol Hepatol; Hepatology

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei Patienten mit asymptomatischer, nichtalkoholischer Fettlebererkrankung lassen sich durch die Elastographie (FibroScan) plus Laborparametern zuverlässig eine Fibrose und eine Entzündungsaktivität in der Leber erkennen (nichtalkoholische Steatohepatitis; NASH). Eine NASH kombiniert mit einer niedriggradigen Fibrose ist ein Krankheitsstadium, in dem die medikamentöse Prophylaxe einer Progression zur Zirrhose noch möglich scheint. Die Diagnostik ist nichtinvasiv und sie ist zeitlich unaufwändig. Sie hilft, unnötige Leberbiopsien einzusparen.

Hintergrund
Die Inzidenz der nichtalkoholischen Fettlebererkrankung (NAFLD) steigt weltweit, parallel zur Adipositas. In Europa wird die Prävalenz der NAFLD bereits auf 24 % der Gesamtbevölkerung geschätzt (1). Je nach Population haben 7-30 % der NAFLD-Patienten eine nichtalkoholische Steatohepatitis (NASH), die mit einem Risiko für die Entwicklung einer Zirrhose und erhöhter Mortalität assoziiert ist. Die NASH kann derzeit nur histologisch sicher diagnostiziert werden, und die Endpunkte klinischer Studien zur NASH-Therapie mit Besserung des Fibrosestadiums und einer Rückbildung der Steatohepatitis basieren auf sequenziellen Kontrollbiopsien (2). In einer prospektiven Studie mit einer Derivations- und einer Validierungskohorte ist untersucht worden, wie zuverlässig sich aus der Kombination einer vibrationskontrollierten transienten Elastographie (VCTE; FibroScan) plus Leberenzymwerten eine Entzündungsaktivität (NASH) und eine Fibrose erkennen lassen (3).

Design

  • Die Derivationskohorte basierte auf einer britischen, multizentrischen Studie mit 450 Patienten bei denen der Verdacht auf NAFLD/NASH bestand. Bei 350 Patienten dieser Kohorte lagen Befunde sowohl von Gewebeproben der Leber, als auch von FibroScan-Untersuchungen und Laborparameter vor.
  • Primärer Endpunkt war die Diagnose einer NASH, ein NAFLD-Activity-Score (NA-Score) ≥ 4 und eine Fibrose ≥ 2 Grad mit großer Zuverlässigkeit (Sensitivität/Spezifität ≥ 80 %).
  • Aus den Parametern der VCTE, einer Fehleradjustierung dieser Untersuchung (CAP) und Laborparametern wurde die Gleichung für den FAST-Score erstellt. Er hat Werte zwischen 0 und 1,0.
  • In der internationalen Validierungskohorte mit insgesamt 1.026 Patienten wurde der FibroScan prospektiv angewandt in Kombination mit Laborparametern und zusätzlichen Leberbiopsien.

Hauptergebnisse

Bei einem FAST-Score-Wert bis zu 0,35 ist das Risiko für eine entzündungsaktive NASH mit Fibrose sehr gering (Zuverlässigkeit ≥ 90 %), eine Biopsie ist nicht erforderlich. Bei einem Score-Wert ≥ 0,67 ist eine Leberbiospie sinnvoll, um Patienten zu erkennen, die sich für klinische Studien und Therapien eignen. Zwischen diesen beiden Cutoff-Werten liegt eine Grauzone.

Klinische Bedeutung
Während konventionelle bildgebende Verfahren wie Sonographie, CT oder MRT vorwiegend eine fortgeschrittene Zirrhose mit Zeichen der portalen Hypertension erfassen, kann die Elastographie auch eine niedriggradige Fibrose anzeigen. Die Untersuchung dauert circa 5 Minuten. Anders als bei der Leberbiopsie wird bei der Elastographie ein relativ großer Gewebezylinder erfasst mit einem Volumen von circa 4 cm3. Kombiniert mit Laborwerten kann das Verfahren helfen, Patienten auszuwählen, die sich für klinische Studien eignen und bei denen eine Leberbiopsie sinnvoll wäre. Umgekehrt lassen sich viele unnötige Biopsien einsparen. Einschränkend ist die vergleichsweise große Grauzone.

Finanzierung: Echosens, UK National Institute of Health Research