Neurowoche 2022: Offenbar sinkende Demenzraten durch erfolgreiche Prävention

  • Michael Simm
  • Konferenzberichte
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Kernbotschaften

Große bevölkerungsrepräsentative Stichproben über lange Zeiträume liefern Evidenz für den Nutzen kombinierter Lebensstil-Intervention zur Demenzprävention. Möglicherweise als Folge davon sinkt in den westlichen Industrieländern die altersspezifische Inzidenz von Demenzen.

Hintergrund

Unter dem Schlagwort „Hirngesundheit“ fand auf der Neurowoche 2022 in Berlin ein gemeinsames Symposium der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) mit der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) statt. Einer der Schwerpunkte war die Demenzprävention, deren aktuellen Stand Prof. Steffi G. Riedel-Heller vom Institut für Sozialmedizin der Universität Leipzig referierte.

Ergebnisse

  • Die altersspezifische Inzidenz von Demenzen in den westlichen Industrienationen sinkt, so das Ergebnis einer Meta-Analyse von 5 großen Studien mit einer Beobachtungszeit von aktuell bis zu 18 Jahren.
  • Eine wahrscheinliche Erklärung für diesen Trend ist die Explosion des Wissens über modifizierbare Risikofaktoren und dessen – zumindest teilweise gelungene – Umsetzung. Dazu gehören eine bessere Bildung in der frühen Lebensphase, die Vermeidung von Hörverlusten und traumatischen Hirnverletzungen im mittleren Lebensabschnitt, sowie Rauchverzicht, Maßnahmen gegen Depressionen und soziale Isolation sowie vermehrte körperliche Aktivität im Alter. Etwa 40 % aller Demenz-Risikofaktoren seien modifizierbar, urteilte eine Lancet-Kommission.
  • Studien zur Hirnbildgebung untermauern epidemiologische Befunde. So zeigt die noch nicht publizierte LIFE-Studie an der Universität Leipzig mit mehr als 1200 Teilnehmern über 50 Jahren eine signifikante Assoziation zwischen stärkerer/zunehmender sozialer Isolation, geringerem/abnehmendem Hippokampusvolumen und schlechteren kognitiven Funktionen.
  • Nachdem bisher in Interventionsstudien vorwiegend Einzelmaßnahmen untersucht wurden, geht der Trend jetzt zu Multikomponenten-Intervention wie in der Cluster-randomisierten deutschen AgeWell.de-Studie, die parallel den Einfluss von Ernährungsberatung, kognitivem Training, Krisenintervention, Förderung körperlicher sowie sozialer Aktivitäten und optimierter Medikation verfolgt. Die Adhärenz der Teilnehmer wurde zwar, wie in ähnlichen Studien weltweit, in den vergangenen Jahren durch die COVID-19-Pandemie beeinträchtigt, so Riedel-Heller. Als vorläufiges, noch nicht publiziertes Ergebnis sei dennoch hervorzuheben, dass Menschen mit niedriger Bildung bezüglich ihrer Kognition signifikant von dem Maßnahmenpaket profitierten. Bei mittlerer Bildung gab es dagegen keine Assoziation, und bei guter Bildung lediglich einen leichten Trend, sodass im Durchschnitt aller Teilnehmer kein klarer Effekt zu erkennen war.

Interessenkonflikte: Keine.