Neurowoche 2022 – Nationale Kohorte MS1 quantifiziert den Verlauf der Multiplen Sklerose

  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Etwa ein Drittel der Patienten mit Multipler Sklerose leide bereits zum Zeitpunkt der Diagnose unter Fatigue und depressiven Symptomen, berichtete PD Dr. Anke Salmen vom Universitätsspital Bern auf einem gemeinsamen Symposium der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft und dem krankheitsbezogenen Kompetenznetz Multiple Sklerose während der Neurowoche 2022 in Berlin.

Hintergrund

In der Kohortenstudie NationMS1 wird die frühe Multiple Sklerose charakterisiert. Zu den Fragestellungen gehören Umweltfaktoren, bestimmte Symptomkomplexe, die Häufigkeit neuropsychologischer Symptome, etwaige Zusammenhänge mit Vitamin D oder dem Lebensstil.

Ergebnisse

  • Das mediane Alter der neu erkrankten, zu 69 % weiblichen Patienten bei Studieneinschluss betrug 32,4 Jahre, ihr EDSS 1,5. 33,2 % hatten zuvor geraucht, 73,5 % Alkohol konsumiert. Die ersten Symptome waren bei beiden Geschlechtern ähnlich häufig verteilt, bei etwa der Hälfte der Teilnehmer sensorischer und bei einem Drittel visueller Art.
  • „Bemerkenswert hoch“ war Salmen zufolge die Häufigkeit nicht sichtbarer Symptome bei Studieneinschluss: 37 % hatten eine mindestens milde Fatigue, 34 % depressive Symptome, und 22 % in ≥ 2 Tests reduzierte kognitive Leistungen.
  • In der Bildgebung fand man eine neuroanatomische Korrelation zwischen Fatigue und reduzierten Volumina der subkortikalen grauen Substanz, insbesondere im Putamen und nach 4-jähriger Beobachtung auch im Pons.
  • Unter den Umweltfaktoren wurde für das Epstein-Barr-Virus eine Seropositivität von 100 % gefunden, und die Assoziation zwischen Vitamin-D-Mangel, höherem Schweregrad, Schubrisiko und akkumulierte Behinderung bestätigt. „Rauchen ist assoziiert mit weniger grauen Zellen“, erinnerte Salmen, während sich Adipositas bei Studieneinschluss in einem höheren EDSS spiegelte. Nach 6 Jahren Nachverfolgung hatten diejenigen mit einem BMI ≥ 30 zu 30 % einen EDSS von 3 erreicht, die nicht adipösen Patienten dagegen nur zu 10 %.
  • Eine intrathekale IgG-Synthese ist mit einer Verschlechterung assoziiert und „ein klares Argument für die Therapieinitiierung“, so Salmen. Die Bestimmung der Serum-Neurofilamente erscheint vielversprechend, aber hier ist das Ziel einer individualisierten Vorhersage des Krankheitsverlaufs noch nicht erreicht.

Interessenkonflikte: Keine.