Neurowoche 2022 – Mehr Forschung zur Myalgischen Enzephalomyelitis gefordert

  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Missstände bei der Diagnose und Therapie der Myalgischen Enzephalomyelitis/“Chronic Fatigue Syndrome“ (ME/CFS) sollen nach dem Willen der Deutschen Gesellschaft für Neurologie durch systematische Forschung im Rahmen groß angelegter Verbundprojekte überwunden werden. Dies forderten Vertreter des Verbandes anlässlich einer Pressekonferenz auf der Neurowoche 2022.

Hintergrund

Vorwiegend durch die Arbeit von Patientenverbänden ist die ME/CFS zu einem Thema in den Medien geworden. Allerdings gibt es mehr Fragen als Antworten: „Wenn wir ehrlich sind, wissen wir nicht, warum diese Krankheit entsteht. Wir haben keine Biomarker und keine Therapie, die sich in hochqualitativen Studien bewährt hätte, so Prof. Harald Prüß (Berlin), Sprecher der DGN-Kommission „Neuroimmunologie“.

Ergebnisse

  • Während Betroffene und deren Angehörige beklagen, die ME/CFS sei eine unterdiagnostizierte und vernachlässigte Krankheit, wird deren Existenz auch in Frage gestellt. Gründe dafür sind:
    • das Fehlen eindeutiger Biomarker,
    • ein sehr heterogenes Beschwerdebild,
    • häufig vorbestehende neuropsychiatrische Erkrankungen,
    • schlechte Qualität und methodische Mängel der wenigen vorliegenden Studien.
  • Immunologen, Virologen und Neurologen müssten gemeinsam an dem Krankheitsbild forschen, fordert Prüß. Letztere hätten Erfahrung mit post-viralen Beschwerden inklusive Fatigue, z.B. nach EBV-Infektionen, FSME oder COVID-19. Die neuere Erkenntnis, dass die Multiple Sklerose durch EBV mitausgelöst werden könne, stärke die Hypothese, dass auch der ME/CSF eine Virusinfektion vorausgehen könnte.
  • Die Hypothese, dass die ME/CSF autoantikörpervermittelt ist, hat zu unkontrollierten Therapiestudien geführt. Eine solche Studie zur Immunadsorption führt nun auch Prüß durch, allerdings ist sie randomisiert, Placebo-kontrolliert und multizentrisch angelegt. Gleichzeitig erfolgt hier eine Suche nach Biomarkern – sowohl immunologisch als auch in der Bildgebung. Antworten erhofft man sich in 12 Monaten.
  • Im Auftrag des Gesundheitsministeriums hat das IQWIG einen Bericht zum aktuellen Kenntnisstand verfasst, der allerdings nur eine vage Empfehlung zur sogenannten Graded Excercise Therapy und zu einer kognitiven Verhaltenstherapie ausspricht. Dies werde allerdings von den Betroffen oft abgelehnt, weil sie ihre Erkrankung als psychisch missverstanden empfinden, so Prüß. Dennoch könnten die empfohlenen Interventionen den Patienten helfen, besser mit der Krankheit zu leben.

Interessenkonflikte: Keine.