Neurowoche 2022 – Faktor-XI-Inhibition zur Schlaganfall-Sekundärprävention „etwas enttäuschend“

  • Michael Simm
  • Konferenzberichte
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Kernbotschaften

Zwei neue Faktor-XI-Inhibitoren (FXI), die zur Sekundärprävention des Schlaganfalls entwickelt wurden, haben in aktuellen Studien „etwas enttäuschende Ergebnisse gebracht“, so Prof. Matthias Endres von der Klinik für Neurologie der Berliner Charité auf der Neurowoche 2022.

Hintergrund

Die Inhibition der Blutgerinnung mit FXI gilt als vielversprechendes Ziel für die Sekundärprävention des Schlaganfalls. Menschen, die aufgrund ihrer Erbanlagen weniger FXI bilden, erleiden nämlich seltener einen Schlaganfall. Intrakranielle Blutungen sind aber unter solch einer FXI-Defizienz nicht häufiger zu beobachten. Nun liegen neue Daten für die Substanzen Milvexian und Asundexian an, die beide früh im intrinsischen Pfad der Blutgerinnungskaskade ansetzen und somit ähnliche Effekte haben sollten, wie eine angeborene FXI-Armut.

Ergebnisse

  • In einer Kohorte von mehr als 500 Schlaganfallpatienten an der Charité zeigte sich ein signifikant niedrigeres Rezidivrisiko für die >75-Percentile im Vergleich zu den Patienten mit höherer Faktor-XI-Aktivität.
  • Milvexian ist ein kleiner und spezifischer Inhibitor von FXIa, der schnell oral absorbiert wird und ein begrenztes Potenzial für Arzneimittelnebenwirkungen hat. Er wird zusätzlich zu Aspirin und Clopidogrel in eskalierenden Dosen in der doppel-blinden, randomisierten, Placebo-kontrollierten Studie AXIOMATIC-SSP geprüft, deren Follow-Up noch bis Ende 2022 andauert und bei der 2366 Schlaganfallpatienten mit Hinweisen auf eine Atherothrombose eingeschlossen wurden. Primärer Endpunkt war die Kombination aus sichtbaren und per MRI entdeckten erneuten Hirninfarkten bis Tag 90. Allerdings gab es zwischen Placebo (16,6 %) und den Dosierungen zwischen 25 mg und 200 mg (14,1 – 18,5 %) keinen Unterschied. „Wenn man sich lediglich die symptomatischen ischämischen Schlaganfälle anschaut, besteht der Eindruck, dass die Rate mit Milvexian bis 100 mg niedriger liegt. Völlig überraschenderweise ist dieser Effekt aber in der höchsten Dosis nicht nachvollziehbar“, so Endres. Einfache Blutungen („not actionable“) waren unter der Medikation seltener, bei schweren und tödlichen Blutungen gab es keine Unterschiede.
  • Die Ergebnisse für einen anderen FXI – Asundexian – wurden kürzlich publiziert. Bei sehr ähnlichem Design wurden in der doppel-blinden, randomisierten, Placebo-kontrollierten Phase-2b-Studie PACIFIC-Stroke auch Patienten mit lakunären Hirninfarkten eingeschlossen. Wiederum gab es keine Unterschiede beim primären (kombinierten) Endpunkt, aber einen Trend zu besseren Ergebnissen unter der Medikation bei alleiniger Betrachtung der ischämischen Schlaganfälle. Das Blutungsrisiko war etwas höher als in der AXIOMATIC-Studie, der Unterschied (womöglich wegen kleiner Fallzahlen) aber ebenfalls nicht signifikant.
  • Sowohl Milvexian als auch Asundexian werden nun in Phase-3-Studien mit längerer Laufzeit gehen. Deren Ergebnisse werden um das Jahr 2027 erwartet.

 

Finanzierung: Bristol Myers Squibb und Janssen Research & Development, LLC.; Bayer.

Interessenkonflikte: Prof. Endres ist Mitglied des Steering-Komitees der AXIOMATIC-SSP-Studie.