Neuromyelitis optica: Neue Antikörper vor der Tür

  • The Lancet

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Inebilizumab, ein Antikörper, der an CD19 + B-Zellen bindet, könnte bald eine neue Therapie-Option für Patienten mit Neuromyelitis optica sein: In einer kontrollierten Studie hat der humanisierte monoklonale Antikörper signifikant das Risiko von NMOSD-Schüben (NMOSD: neuromyelitis optica spectrum disorders) reduziert.

Hintergrund

Inebilizumab ist eine von mehreren neuen Substanzen für Patienten mit der sehr seltenen Neuromyelitis optica. Bereits in den USA zugelassen, ist  Eculizumab , noch in der letzten Phase der klinischen Prüfungen befindet sich der Interleukin-6-Hemmer Satralizumab, zu dem ebenfalls vor wenigen Tagen positive Wirksamkeitsdaten präsentiert wurden. Ein weiterer Interleukin-6-Inhibitor ist Tocilizumab, der in der Rheumatologie bereits verfügbar ist. 

Design

Randomisierte, placebo-kontrollierte Doppelblind-Studie mit erwachsenen Patienten (überwiegend AQP4­IgG­-seropositiv); EDSS-Score (Expanded Disability Status Scale) maximal 8,0. Die Patienten erhielten im Verhältnis von 3 zu 1 entweder 300 Milligramm Inebilizumab (intravenös) oder Placebo (Tag 1 und Tag 15). Die Gesamt-Dosis, in der randomisierten und kontrollierten Phase, betrug 600 mg. In der offenen Phase erhielten alle Patienten alle 26 Wochen 300 mg. Nach der letzten Dosis wurden die Patienten 12 Monate lang beobachtet. Primärer Endpunkt war die Zeit bis zum Auftreten eines Krankheitsschubs.

Hauptergebnisse 

Von den 174 Patienten mit Inebilizumab erlitten 21 (12 Prozent) einen Schub, von den 56 Patienten der Placebo-Gruppe 22 (39 Prozent). Diese Daten der Intention-to-Treat-Analyse entspricht einer signifikanten relativen Risikoreduktion um rund 73 Prozent (Hazard Ratio 0,272, [95% CI 0,150–0,496]; p

Der Behinderungsgrad (EDSS) nahm bei 16 Prozent der Patienten mit dem Antikörper zu, in der Placebo-Gruppe bei 34 Prozent;  darüber hinaus waren aktive MRT-Läsionen und Hospitalisierungen in der Inebilizumab-Gruppe seltener als in der Kontroll-Gruppe (relative Risikoreduktionen 44 und 72 Prozent).

Unerwünschte Wirkungen wurden bei 125 Patienten der Inebilizumab-Gruppe (72%) und 41 der Placebo-Gruppe (73%) beobachtet, schwerwiegende Nebenwirkungen bei fünf (Inebilizumab) und neun Prozent (Placebo). In der Verum-Gruppe gab es zwei Todesfälle, die nach Einschätzung der Autoren aber nicht in einem Zusammenhang mit dem Antikörper standen.

Klinische Bedeutung

Wegen eindeutiger Wirksamkeit des Prüfpräparates wurde die placebo-kontrollierte Studienphase vorzeitig beendet. Der Antikörper könnte, so wie die anderen genannten neuen Substanzen, eine evidenzbasierte Therapie für Patienten mit Neuromyelitis optica werden und das bislang außerhalb der Zulassung eingesetzte CD20-Antikörper Rituximab ersetzen. Das Problem dürften die vergleichsweise deutlich höheren Kosten sein. Wie bei den meisten neuen Wirkstoffen fehlen außerdem noch Langzeit-Daten zur Verträglichkeit und Sicherheit. Unklar ist außerdem, ob die neuen Wirkstoffe dem in der Onkologie verwendeten Immuntherapeutikum bei der NMO überlegen sind und ob sich ein Präparate-Wechsel lohnen würde. 

Finanzierung:  MedImmune und Viela Bio