Neurologische Erkrankungen rauben der Menschheit fast 300 Millionen Jahre an Lebensqualität

  • Lancet Neurology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Auf 276 Millionen verlorene, Qualitäts-adjustierte Lebensjahre (DALYs) und 9 Millionen Todesfälle schätzten die Global Burden of Disease-Experten die Krankheitslast durch neurologische Erkrankungen im Jahr 2016.

Hintergrund

Die Global Burden of Disease Study ist die umfangreichste epidemiologische Studie weltweit und beschreibt die Prävalenz, Inzidenz sowie zeitliche Trends bei Krankheiten weltweit. Die aktuelle Auswertung betrifft neurologische Krankheiten im Zeitraum von 1990 – 2016 und umfasst 195 Länder.

Design

Prävalenz und Inzidenz wurden hauptsächlich mittels der Bayes´schen Metaregressionsanalyse geschätzt, die Todesfälle durch das „Cause of Death Ensemble“-Modell. Quantifiziert wurde außerdem der Betrag von 84 Risikofaktoren bzw. Risikofaktorkombinationen zu 15 Kategorien neurologischer Erkrankungen.

Ergebnisse

  • Weltweit waren neurologische Erkrankungen im Jahr 2016 mit 276 Millionen die wichtigste Ursache verlorener Qualitäts-adjustierter Lebensjahre (DALYs) und mit 9 Millionen die zweitwichtigste Todesursache.
  • Die absolute Zahl der Toten erhöhte sich von 1990 bis 2016 um 39 %, die der DALYs um 15 %.
  • Die altersstandardisierten Todesfälle reduzierten sich in diesem Zeitraum jedoch um 28 %, die der DALYs um 27 %.
  • Tetanus, Meningitis und Enzephalitis waren die einzigen neurologische Erkrankungen, bei denen sowohl die Mortalitätsraten und absoluten Todeszahlen als auch die DALYs abnahmen.
  • Die größten Beiträge zur Krankheitslast verursachten Schlaganfälle (42,2 %), Migräne (16,3 %), Alzheimer und andere Demenzen (10,4 %) sowie Meningitis (7,9 %).
  • Die 84 von der GBD erfassten Risikofaktoren erklären weniger als 10 % der neurologischen Krankheitslast mit Ausnahme von Schlaganfällen (88,8 %), Alzheimer und anderen Demenzen (22,3 %) sowie ideopathischen Epilepsien (14,1 %).

Klinische Bedeutung

Als weiteren Meilenstein in der Geschichte der globalen Gesundheitsvermessung lobt Kommentator William M. Carroll (Nedlands, Australien) die aktuelle Studie. Die Datenqualität ist allerdings uneinheitlich, und die Diagnosekriterien besonders in Ländern mit niedrigen Einkommen sind mitunter verwirrend. Dass es für die meisten neurologischen Erkrankungen keine angreifbaren, leicht zu modifizierenden Risikofaktoren gibt, macht die Entwicklung neuer, krankheitsmodifizierender Therapien umso wichtiger.

Finanzierung: Bill & Melinda Gates Foundation.