Neurokognitive Entwicklung bei perinatal mit HIV infizierten Jugendlichen unter ART normal


  • Daniela Ovadia — Agenzia Zoe
  • Medical News
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Kernbotschaften

  • Perinatal mit HIV infizierte Jugendliche am Übergang zu jungen Erwachsenen (PHIV+), die eine kombinierte ART (cART) erhalten, zeigen im Laufe der Zeit bei der globalen Kognition eine ähnliche Entwicklung wie gesunde HIV-negative Jugendliche. 
  • Im Vergleich zu gesunden Personen der Kontroll-Gruppe haben PHIV+ bei der ersten Untersuchung einen geringeren IQ, der mit der Zeit jedoch steigt.
  • Bei PHIV+ verzögert sich die Entwicklung der Exekutivfunktion, was bei einem späten Beginn der ART noch ausgeprägter ist.

Über eine kognitive Beeinträchtigung bei perinatal mit HIV infizierten Kindern (PHIV+-Kinder), die eine cART erhalten, ist bereits berichtet worden; aber manche Studie lassen annehmen, dass es bei der Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten keine Unterschiede gibt. Schlussfolgerungen sind jedoch schwer, da es relevante Störfaktoren und Unterschiede beim Alter und der Beobachtungsdauer gibt.

Die NOVICE-Studie (Amsterdam Universitätsklinik, Niederlande) zeigte  eine signifikant beeinträchtigte Kognition bei PHIV+-Kindern (13,4 Jahre, SD 2,8) mit cART im Vergleich zu HIV-Negativen, die ihnen hinsichtlich Alter, Geschlecht, Ethnie und sozioökonomischem Status (SES) entsprachen.

Die selben Jugendlichen wurden ein zweites Mal untersucht (nach 4,6 Jahren), um den Effekt einer HIV-Infektion und cART auf die Entwicklung der Kognition zu klären.

21 PHIV+ und 23 HIV-Negative nahmen die zweite Untersuchung wahr. Hinsichtlich Alter, Geschlecht, Ethnie und SES waren sie ähnlich. 

Die Autoren verwendeten eine standardisierte Testbatterie zur Prüfung der kognitiven Fähigkeiten und verglichen die Entwicklung der Kognition in den Gruppen, wobei sie lineare gemischte Modelle anwendeten.

Im Vergleich zu den HIV-Negativen nahm der IQ bei den PHIV+ im Laufe der Zeit mehr zu (adjustierter 'group*time interaction beta coefficient': 6,02; p=0,012) , so dass der Unterschied zwischen den Gruppen (IQ bei den PHIV+ in der ersten Untersuchung niedriger) ausgeglichen wurde.

Im Bereich der Exekutivfunktion zeigten PHIV+ einen signifikant ungünstigen Verlauf im Vergleich zu den HIV-Negativen (group*time -1,43 z-score, p

Die Änderungen im Zeitverlauf in den Bereichen Verarbeitungsgeschwindigkeit, Lernfähigkeit, Arbeitsgedächtnis und visuell-motorische Funktion waren zwischen den Gruppen nicht signifikant unterschiedlich.

Die Exploration von Zusammenhängen mit der Erkrankung und therapie-assoziierten Faktoren zeigten, dass jene Teilnehmer, die mit der cART in einem höheren Alter begannen, bei der Exekutivfunktion stärker abwichen (-0,13 z-score; P=0,043).

Schlussendlich gab es bei der Zahl der Teilnehmer, die als kognitiv beeinträchtigt eingestuft waren, zwischen den Gruppen keinen signifikanten Unterschied, wie ein multivariater normativer Vergleich ergab.

Limitierungen: die Studie wurde in nur einem Zentrum durchgeführt; nicht alle Teilnehmer der NOVICE-Kohorte willigten in eine zweite Untersuchung ein; unterschiedliche Migrations-Historie zwischen den Gruppen; unterschiedliche Neuropsychologen bei der ersten und zweiten Untersuchung.