Neuklassifikation des akuten Lungenversagens bei Kindern ergibt eine Mortalität von 17 %


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine auf Kinder zugeschnittene neue Definition des akuten Lungenversagens erkennt mehr Patienten und stratifiziert das Mortalitätsrisiko besser, als die für Erwachsene geltende Berlin-Klassifizierung.

Hintergrund

Ein akutes Lungenversagen bei Kindern (PARDS) wurde bereits vor mehr als 50 Jahren beschrieben, jedoch ist über die Epidemiologie dieser Erkrankung bisher nur wenig bekannt. Um die Einschränkungen durch eine für Erwachsene entwickelte Definition zu überwinden, hat die Pediatric Acute Lung Injury Consensus Conference (PALICC) eigene Kriterien entwickelt, doch sind die Auswirkungen dieser Neudefinition noch unklar.

Design

An der nach Kenntnis der Autoren größten prospektiven internationalen Querschnittsstudie auf Grundlage der PALICC-Definition des PARDS haben 145 pädiatrische Intensivstationen in 27 Ländern teilgenommen. Sie screenten innerhalb eines 10-wöchigen Zeitraumes an 5 aufeinander folgenden Tagen alle Patienten auf ihre Eignung und schlossen diese ein, wenn sie während der Studienwoche gemäß den PALICC-Kriterien eine neue PARDS-Diagnose erhielten.

Hauptergebnisse

  • Unter den 23.280 Patienten wurde bei 744 ein PARDS festgestellt. Das entspricht einem Anteil von 3,2 %.
  • Von 744 Patienten mit PARDS lagen für 708 (95 %) sämtliche Daten für die Analyse vor. Deren Mortalität betrug 17 %. Wendete man dagegen die (ältere, nicht spezifisch für Kinder entwickelte) Berlin-Klassifikation an, so entsprachen nur 230 von 708 (32 %) den Kriterien für eine PARDS, und es ergab sich für diese 230 Patienten eine Mortalität von 27 %.
  • Die Unterteilung der Kinder aufgrund der Hypoxämie zum Zeitpunkt der PARDS-Diagnose ergab eine ähnliche Mortalität (10 – 15 %) bei nicht-invasiver Beatmung und bei milder sowie moderater PARDS. Mit 33 % war die Mortalität bei schwerer PARDS jedoch deutlich höher.
  • 50 % der 160 ursprünglich nicht-invasiv beatmeten Kinder mussten nachfolgend intubiert werden; unter ihnen betrug die Sterblichkeit 25 %.
  • Zur Vorhersage der Mortalität war die Schwere der Erkrankung gemäß PALICC-PARDS 6 Stunden nach der initialen Diagnose am besten geeignet und der Berlin-Klassifizierung überlegen.

Klinische Bedeutung

Die Definition des kindlichen akuten Lungenversagens gemäß den Kriterien der Pediatric Acute Lung Injury Consensus Conference (PALICC) erfasst mehr Patienten als die nicht spezifisch für Kinder entwickelte, ältere Berlin-Definition. Da die neue Einteilung die Stratifikation des Mortalitätsrisikos verbessert, plädieren die Autoren dafür, sie bei künftigen epidemiologischen und therapeutischen Studien zu erwägen.

Finanzierung: University of Southern California Clinical Translational Science Institute, Sainte Justine Children's Hospital, University of Montreal; Réseau en Santé Respiratoire du Fonds de Recherche Quebec-Santé, und Children's Hospital Los Angeles, Department of Anesthesiology and Critical Care Medicine.