Neujahrsvorsätze: Willenskraft als Schlüssel zum Umsetzen guter Vorsätze

  • European Journal of Work and Organizational Psychology

  • von Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Eine Studie von Wissenschaftlern des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung an der TU Dortmund belegt: Um gute Neujahrsvorsätze im Job umzusetzen, braucht es Willenskraft. Wer davon ausgeht, dass seine eigene Willenskraft kaum Grenzen hat, fühlt sich nach mental anstrengenden Aufgaben, für deren Umsetzung es eine gewisse Selbstdisziplin braucht, weniger erschöpft und kann die Selbstkontrolle besser aufrecht erhalten.

Hintergrund

Gute Vorsätze zum neuen Jahr fassen momentan viele – egal, ob für das Privatleben oder den Job. Diese langfristig umzusetzen fällt jedoch oftmals schwer und erfordert eine gute Portion Selbstkontrolle. Ergebnisse früherer Studien allerdings zeigen, dass die Fähigkeit zur Selbstkontrolle stark abnimmt, wenn es wiederholt gilt, Aufgaben zu erledigen, bei denen man sich stark kontrollieren muss. Ein Beispiel dafür ist etwa, die Anforderung im Kundenkontakt stets freundlich zu sein. Bislang ging man daher davon aus, dass Willenskraft nur eine begrenzt verfügbare Ressource ist. Neuere Erkenntnisse deuten jedoch darauf hin: Es kommt darauf an, welches Konzept von Willenskraft der Einzelne hat. Wer glaubt, diese sei schier unerschöpflich, hält auch länger durch.

Studiendesign

Durchgeführt wurde eine Tagebuchstudie mit 71 Freiwilligen, die beruflich regelmäßig in Kontakt mit Kunden, Geschäftspartnern oder Patienten stehen. Die Probanden füllten an 10 aufeinanderfolgenden Tagen zweimal am Tag einen Online-Fragebogen aus. Am Nachmittag wurde abgefragt, wie häufig die Probanden am Tag Selbstkontrolle ausüben mussten und wie erschöpft sie sich fühlten. Am Abend bewerteten die Teilnehmer erneut ihr Befinden. Zudem erfasstem die Wissenschaftler vor Studienbeginn, welches Konzept von Willenskraft die einzelnen Probanden hatten. Dazu bewerteten die Studienteilnehmer Aussagen der Art „Nach einer mental anstrengenden Aktivität fühlt man sich angeregt für neue herausfordernde Aufgaben.“

Hauptergebnisse

Probanden, die bei der Arbeit ihre Emotionen kontrollieren mussten, profitierten unmittelbar von der Vorstellung, dass Willenskraft nahezu unbegrenzt verfügbar ist. Sie fühlten sich weniger erschöpft. „Unsere Willenskraft ist möglicherweise nicht so stark begrenzt, wie wir ursprünglich vermutet haben. Gehen wir dennoch davon aus, dass unsere Fähigkeit zur Selbstkontrolle schnell aufgebraucht ist, werden wir gewohnheitsmäßig unsere eigenen Fähigkeiten unterschätzen“, sagt Studienautorin Anne-Kathrin Konze. Wer sich für 2019 vornimmt, im Job disziplinierter und im Kontakt mir Klienten und Patienten immer freundlich zu sein, wird diesen Neujahrsvorsatz besser umsetzen können, wenn er daran glaubt, dass ihm Willenskraft als nahezu unerschöpfliche Ressource zur Verfügung steht.