Neugeborenes mit Antikörper gegen SARS-CoV-2: Verdacht auf intrauterine Infektion

  • JAMA

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Fall der Woche
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Kernbotschaften

Bei dem Neugeborenen einer Frau mit COVID-19 fanden chinesische Ärzte unmittelbar nach der Geburt erhöhte Spiegel von IgM-Antikörpern gegen das Virus. Ein Beweis für die intrauterine Infektion des Neugeborenen ist das jedoch nicht. 

Die schwangere Frau

Am 28. Januar 2020 entwickelte eine 29-jährige schwangere Frau (34. Woche) klinische Symptome eines respiratorischen Infektes zusammen mit Atembeschwerden. Die Verdachtsdiagnose COVID-19 wurde durch CT-Untersuchungen des Thorax bekräftigt. Die RT-PCR (Nasopharynxabstrich) bestätigte den klinischen Verdacht und die radiologische Diagnose. Am 2. Februar wurde die Patientin in das Renmin Hospital in Wuhan eingeliefert. Dort erhielt sie antivirale Wirkstoffe, Antibiotika-, Steroide und Sauerstoff. Vier wiederholte RT-PCR-Tests waren positiv. Am 21. Februar betrugen die IgG- und IgM-Antikörperspiegel gegen das neue Coronavirus 107,89 AU/ml bzw. 279,72 AU/ml (Norm:

Das Neugeborene 

Am 22. Februar wurde der Frau ein Mädchen geboren (Kaiserschnitt in einem Unterdruck-Isolationsraum). Die Mutter trug eine N95-Maske und hielt das Kind nicht in ihren Händen. Das Geburtsgewicht betrug 3120 Gramm, die Apgar-Werte betrugen 9 nach 1 Minute und 10 nach 5 Minuten. Das Neugeborene hatte keine Symptome und wurde sofort auf der Neugeborenen-Intensivstation unter Quarantäne gestellt. Im Alter von 2 Stunden betrug der SARS-CoV-2-IgG-Spiegel 140,32 AU/ml und der IgM-Spiegel 45,83 AU/ml. Zytokine und weiße Blutkörperchen waren erhöht. Das Thorax-CT war normal. Fünf RT-PCR-Tests (Nasopharynxabstriche) bei dem Kind im Alter von 2 Stunden bis 16 Tagen waren negativ. Die IgM- und IgG-Werte  waren am 7. März noch erhöht (11,75 und 69,94 AU/ml).

Am 28. Februar lieferte ein PCR-Test der Muttermilch ein negatives Ergebnis. Am 29. Februar betrug der IgG-Spiegel der Mutter 116,30 AU/ml,  der IgM-Spiegel 112,66 AU/ml. Eine Thorax-CT ergab einen leicht verbesserten Lungen-Befund.

Diskussion 

Der erhöhte IgM-Antikörper-Spiegel deutet nach Angaben der Autoren darauf hin, dass das Neugeborene sich möglicherweise intrauterin infiziert hatte. IgM-Antikörper werden nicht über die Plazenta auf den Fötus übertragen.

Eine Infektion bei der Entbindung könne zwar nicht ausgeschlossen werden; aber IgM-Antikörper träten normalerweise erst 3 bis 7 Tage nach der Infektion auf, so die chinesischen Ärzte; IgM-Antikörper seien bei dem Neugeborenen jedoch bereits in einer zwei Stunden nach der Geburt entnommenen Blutprobe vorhanden gewesen. Auch die Vaginalsekrete der Mutter seien für SARS-CoV-2 negativ gewesen.

Zu den Einschränkungen dieses Fallberichtes zählt den Autoren zufolge, dass keine PCR-Tests des Fruchtwassers und der Plazenta vorgenommen wurden. Allerdings gibt es aktuell noch weitere Fallgeschichten, die auf die Möglichkeit einer intrauterinen Infektion hinweisen. Die bisher vorgelegten Befunde seien jedoch noch kein Beweis dafür, so die US-Wissenschaftler Dr. David W. Kimberlin und Dr. Sergio Stagno Universität von Alabama in Birmingham) in einem Editorial im Fachmagazin „JAMA“. Als ein Argument führen sie die Fehleranfälligkeit von IgM-Tests an.