Neues Tetrazyklin ist hoch wirksam bei ambulant erworbenen Pneumonien


  • Nicola Siegmund Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Das neue Tetrazyklin Omadacyclin ist bei Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie vergleichbar wirksam wie Moxifloxacin, die Nebenwirkungsrate ist eher günstiger. Omadacyclin kann ebenso wie Moxifloxacin intravenös und oral gegeben werden. Es hat eine stark wachstumshemmende Wirkung auf häufige bakterielle Verursacher von Pneumonien inklusive makrolid- und tetrazyklinresistenter Stämme von S. pneumoniae, auf S. aureus, Hämophilus influenzae und H. parainfluenzae, Klebsiella, aber auch auf Legionellen, Chlamydien und Mykoplasmen.

Hintergrund

Die ambulant erworbene Pneumonie ist die häufigste infektiöse Ursache für stationäre Behandlungen in westlichen Ländern und mit einer erhöhten Mortalität assoziiert, vor allem bei älteren Menschen. Bei Infektionen mit Streptococcus pneumoniae, aber auch mit Staphylokokken oder Hämophilus influenzae treten zunehmend häufig Resistenzen auf gegen Betalaktame, gegen Makrolide und gegen Tetrazykline früherer Generationen. Deshalb werden neue Arzneimittel benötigt, die bei schweren Infektionen auch durch resistente Bakterien schnell wirken. In einer großen, doppelblinden Phase-3-Studie sind Effektivität und Sicherheit von Omadacyclin mit dem Fluorochinolon Moxifloxacin verglichen worden.

Design

  • 774 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Pneumonie (Pneumonia Severity Index II-IV) konnten in der Intention-to-treat-Analyse berücksichtigt werden.
  • Randomisierung in 2 Behandlungsgruppen:
    • 100 mg Omadacyclin i.v. alle 12 Stunden 2 Mal, danach alle 24 Stunden (n = 386) oder
    • Moxifloxacin 400 mg i.v. alle 24 Stunden.
  • Nach frühestens 3 Tagen konnten die Patienten von einer intravenösen auf eine orale Applikation wechseln.
  • Therapiedauer: minimal 7 und maximal 14 Tage.
  • Primärer Endpunkt: Stabilisierung oder Verbesserung der Symptome wie Husten, Sputumproduktion, Brustschmerz und Dyspnoe innerhalb von 72 bis 120 Stunden.
  • Beleg der Nicht-Unterlegenheit von Omadacyclin versus Moxifloxacin.

Hauptergebnisse

Die Nicht-Unterlegenheit von Omadacyclin wurde nachgewiesen: Eine frühe klinische Response hatten 81,1 % in der Omadacyclin-Gruppe und 82,7 % in der Moxifloxacin-Gruppe. Die Ansprechraten nach Beendigung der Behandlung lagen bei 87,6 % (Tetrazyklin) und 85,1 % (Fluorochinolon). Bei 41,1 % der Patienten mit Omadacyclin-Therapie traten unerwünschte Effekte auf, zu 6,5 % waren sie schwer (meist gastrointestinal), in der Fluorochinolon-Gruppe waren die entsprechenden Raten 48,5 % und 6,7 % für schwere Nebenwirkungen.

Klinische Bedeutung

Das neue Tetrazyklin Omadacyclin ist in den USA von der FDA im vergangenen Oktober zur Behandlung der ambulant erworbenen Pneumonie und zur Therapie akuter Hautinfektionen zugelassen worden. Als Vorteil wird gesehen, dass es auch bei Gram-positiven Erregern mit Resistenzen gegen Tetrazykline früherer Generation wirkt und – anders als Betalaktame – auch gegen atypische Krankheitserreger wie Legionella pneumophila, Mycoplasma pneumoniae und Chlamydia pneumoniae.

Finanzierung: Paratek Pharmaceuticals