Neues Positionspapier der Kinder- und Jugendpsychiater zu medienbezogenen Störungen

  • Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e.V. (DGKJP).

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Die Nutzung digitaler Medien gehört für die meisten Kinder und Jugendlichen heute zum Alltag. Einerseits bieten Smartphone & Co einen schnellen Zugang zu Informationen, andererseits bergen sie bei übermäßigen Gebrauch auch Risiken, wie etwa die Entstehung einer Sucht. Die Suchtkommission der deutschen kinder- und jugendpsychiatrischen Verbände und wissenschaftlichen Fachgesellschaften hat jetzt ein Positionspapier zu „medienbezogenen Störungen im Kindes- und Jugendalter“ veröffentlicht. Ziel ist es, vor allem Pädiater, Psychologen und Psychiater hinsichtlich Diagnostik und Prävention zu unterstützen.

Zeitliches Ausmaß ist nicht entscheidend

Bei etwa drei bis fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland gehen digitale Medien mit einem pathologischen Nutzungsverhalten einher, heißt es in dem Positionspapier. Dabei sei jedoch nicht die konkret aufgewandte Zeit für den Mediengebrauch für die Diagnosestellung entscheidend, sondern vielmehr dessen negative Auswirkungen. Dazu gehören die gedankliche Vereinnahmung durch das Medium, Nutzung zur Stimmungsregulation und Reizbarkeit bei Nichtnutzung sowie der Verlust an sonstigen Interessen.

Medienbezogene Störungen treffen laut der Verbände vor allem Kinder und Jugendliche mit erhöhter Ängstlichkeit und Stressempfindlichkeit sowie einem negativen Selbstkonzept. Oftmals kommen sie aus schlecht funktionierenden Familien ohne wirkliche Vorbilder. Aber auch Kinder und Jugendliche mit ADHS, Depressionen und Angststörungen sind besonders gefährdet, ein pathologisches Nutzungsverhalten zu entwickeln.

Angebote zur Diagnose und Therapie in Deutschland unzureichend

Liegt eine medienbezogene Störung vor, ist eine kinder- und jugendpsychiatrische und -psychotherapeutische Beratung und/oder Behandlung notwendig, fordert die Suchtkommission. Voraussetzung für die Therapie sei neben einer frühen und fachgerechten Diagnostik der Symptomatik inklusive Grund- und/oder Begleiterkrankungen auch die Schaffung eines Problembewusstseins.

Die Verbände machen jedoch deutlich, dass „die Angebotsstruktur für die Erkennung und Behandlung in Deutschland unzureichend ist“. Zur Verbesserung der Behandlungskompetenz bedürfe es spezialisierter Fort- und Weiterbildungen. Für einen optimalen und andauernden Therapieerfolg sei außerdem eine ausreichende Behandlungsdauer erforderlich, um emotionale, soziale und kognitive Nachreifungsprozesse zu ermöglichen, Kompetenzen zu vermitteln und begleitende Störungen zu behandeln.