Neues Organ zur Wahrnehmung von mechanischen und thermischen Reizen in der Haut entdeckt

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  • von Dr. Carola Krause
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft                         

Forscher des Karolinska Institutes haben ein bisher unbekanntes Sinnesorgan entdeckt, welches aus einem Netz von nozizeptiven Gliazellen in der Haut besteht. Offenbar ist dieses Sinnesorgan für die Wahrnehmung von Schmerzreizen, insbesondere schmerzhafte mechanische Schäden wie Stiche und Druck, verantwortlich. Die Entdeckung weckt Hoffnungen auf neue Behandlungsmethoden für Polyneuropathien.

Hintergrund

Schmerzempfindlichkeit ist eine überlebenswichtige und schützende Funktion. Sie löst Reflexreaktionen aus, die Gewebeschäden verhindern sollen. Bisher wurde angenommen, dass Sinnesreize die nozizeptiven sensorischen Nervenenden in der Haut direkt aktivieren und so ein Schmerzgefühl an das Gehirn weiterleiten.

Ein Netz aus Gliazellen bildet ein Sinnesorgan in der Haut

Forschende haben jetzt ein neues Sinnesorgan in der Haut entdeckt, dass Reize anders wahrnimmt als bisher gedacht. Die Studie beschreibt in Mäusen, dass das schmerzempfindliche Organ aus einem Netz aus kutanen Gliazellen mit mehreren langen Zellausläufern gebildet wird, die bis in die Epidermis reichen.

Die Aktivierung des Organs führt zu elektrischen Impulsen im Nervensystem, die zu Reflexreaktionen und Schmerzempfinden beitragen. In Experimenten blockierten die Forschenden das Organ und stellten fest, dass die Fähigkeit, mechanische und thermische Reize zu spüren, verringert war. Daher gehen die Forscher davon aus, dass das neue Sinnesorgan eine direkte erregende funktionelle Verbindung zu sensorischen Neuronen darstellt.

Chronische Schmerzen besser verstehen

Die Forschungsergebnisse verändert das Verständnis der zellulären Mechanismen der körperlichen Empfindung und kann zum Verständnis chronischer Schmerzen beitragen. So weckt die Entdeckung Hoffnungen auf neue Behandlungsmethoden für Polyneuropathien. Klinische Forschungen sind nun notwendig, um die Forschungsergebnisse zu validieren.

Finanzierung: Swedish Research Council