Neues Coronavirus: WHO ruft internationale Notlage aus


  • Dr. med. Thomas Kron
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Kernbotschaften

Die Weltgesundheitsorganisation hat gestern abend - wie erwartet -eine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite" ausgerufen. Man wisse nicht, welchen Schaden das neue Corona-Virus anrichten werde, hieß es. Die WHO fordert damit von den nationalen Regierungen verstärkte Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus. Letzte Woche noch hatte sich die Genfer Organisation anders entschieden. In Bayern ist das Virus bei einem fünften Mitarbeiter eines Automobilzulieferers nachgewiesen worden.

WHO fordert verstärkte Maßnahmen

Die Zahl der Infektionen außerhalb von China sei noch relativ gering, sagte WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die „größte Sorge" sei, dass sich das neue Virus auf Länder mit weniger gut ausgestatteten Gesundheitssystemen ausbreite. Die nationalen Regierungen sollen, müssen aber der Aufforderung der WHO nicht folgen. Nach Angaben der chinesischen Nationalen Gesundheitsbehörde sind in China 213 Menschen an den Folgen der Infektionskrankheit gestorben. Weltweit sind in rund 20 Ländern fast 10000 Menschen erkrankt, die meisten davon in der chinesischen Provinz Hubei.

Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland, wo es bislang fünf Erkrankungsfälle gibt, bleibt laut Robert-Koch-Institut derzeit weiterhin gering. Diese Einschätzung könne sich allerdings kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat gestern abend im ZDF noch einmal darauf hingewiesen, dass Deutschland und die Kliniken hierzulande gut vorbereitet seien.

Weitere Fall-Serien publiziert

Inzwischen liegen auch weitere Fall-Beschreibungen aus China vor. Die Autoren einer aktuellen Publikation beschreiben die Krankengeschichte von rund 425 Patienten (56% Männer) mit einem Durchschnittsalter von knapp 60 Jahren. Die Mehrheit der Patienten (rund 56 Prozent) war 65 Jahre alt oder älter; kein Patient war unter 15 Jahre alt. Den Autoren zufolge betrug die durchschnittliche Inkubationszeit etwa fünf Tage, bei fünf Prozent der Patienten war sie allerdings länger als 12,5 Tage. Berechnungen ergaben, dass im Mittel jeder Infizierte 2,2 weitere Menschen ansteckt.

Die Autoren einer weiteren Publikation beschreiben die Krankheitsgeschichte von 99 Patienten mit Pneumonie. Alle Patienten waren nachweislich mit dem neuen Virus infiziert (Real-Time-PCR), dessen tierisches Reservoir neuen Untersuchungen  zufolge ebenso wie das SARS-Virus Fledermäuse sind. Dies schließt allerdings nicht aus, dass andere Tiere als Zwischenwirte dienen. 

Das Durchschnittsalter der 99 Patienten - 67 Männer und 32 Frauen - betrug 55,5 Jahre (21 bis 82 Jahre). 50 Patienten hatten chronische Erkrankungen, die meisten (40) eine kardiovaskuläre oder zerebrovaskuläre Erkrankung. Häufige Symptome waren Fieber (83%), Husten (82%) und Luftnot 31%. Selten waren Muskelschmerzen (11%), Verwirrtheit (9%), Kopfschmerzen (8%), Rhinorrhoe (4%), Brustschmerzen und Diarrhoe (je zwei Prozent) sowie Übelkeit und Erbrechen (je 1 Prozent). Bei 75 Prozent der Patienten waren beide Lungenflügel befallen. 17 Patienten entwickelten ein akutes respiratorisches Syndrom; von ihnen starben innerhalb weniger Tage elf Patienten an einem Multiorganversagen.