Neues Coronavirus: Noch mehr Infektionsfälle auch in Deutschland


  • Dr. med. Thomas Kron
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Kernbotschaften

Außerhalb von China verbreitet sich das neue Coronavirus besonders rasch in Italien und im Iran, von dem ausgehend sich das Virus auch in angrenzende Länder verbreitet haben soll. Auch in Deutschland wird das Virus bei immer mehr Menschen nachgewiesen. „Wir befinden uns am Beginn einer Corona-Epidemie“, so gestern Bundesgesundheitsminister Spahn. Ein großes Problem dabei ist, dass die Infektionskette teilweise nicht nachvollziehbar ist und die Kontakte der infizierten Personen sich nicht zurückverfolgen lassen. 

Ein Pathologe in Tübingen, ein Soldat in Rheinland-Pfalz

In Baden-Württemberg ist die Zahl der gesicherten Infektionsfälle inzwischen auf vier gestiegen (Stand: 26.2. 20 Uhr).  Darunter ist auch ein 60-jähriger Pathologe der Universitätskliniken in Tübingen, der sich bei seiner Tochter infiziert hat. Die junge Frau ist die Reisebegleiterin des 25-jährigen Mannes aus Göppingen gewesen, der sich wahrscheinlich in Mailand infiziert hat. In Tübingen stehen laut „Spiegel“ mehr als zehn Oberärzte des Uniklinikums unter häuslicher Quarantäne.

Auch in Rheinland-Pfalz gibt es nun einen Patienten, der sich mit dem neuen Virus infiziert hat. Es handelt sich dabei um einen 41 Jahre alte Soldaten der Flugbereitschaft, der auf einer Karnevalsveranstaltung Kontakt zu Erkrankten aus Nordrhein-Westfalen gehabt haben soll. Die Zahl der Personen, mit denen der 41-Jährige Kontakt hatte, ist bisher unklar. Einer der Erkrankten in NWR, ein 47-jähriger Patient mit einer Vorerkrankung, schwebt in Lebensgefahr und muss beatmet werden. Die ebenfalls erkrankte Frau werde auch stationär behandelt; ihr Gesundheitszustand soll stabil sein. Problematisch sei, dass die beiden Betroffenen in den vergangenen zwei Wochen „am gesellschaftlichen Leben teilgenommen" hätten, wird Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann in mehreren Medien zitiert. Zahlreiche Kontaktpersonen befänden sich deshalb in häuslicher Quarantäne. Hauptziel sei es, die Infektionsketten zu unterbrechen.

Besser einmal mehr als einmal zu wenig testen

Aufgrund dieser Entwicklung komme er, so Jens Spahn, immer mehr zu der Überzeugung: Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Epidemie an Deutschland vorbeigeht, wird sich nicht erfüllen und sich nicht ergeben.“ Er habe daher die Gesundheitsminister der Länder in einer Telefonkonferenz aufgefordert, ihre Pandemiepläne „zu aktivieren und ihr mögliches Inkrafttreten vorzubereiten. Außerdem habe er sich mit Vertretern aus dem Gesundheitssektor, um über angemessene Reaktionen zu beraten. Spahn: „Wir haben uns darauf geeinigt, dass bei vorhandener Symptomatik oder Verdacht jetzt besser einmal mehr auf das Virus getestet wird als einmal zu wenig. Am Geld jedenfalls oder an der Erstattung der gesetzlichen Krankenkassen für eine entsprechende Testung darf es nicht scheitern." Die Bundesregierung bildet angesichts einer drohenden Corona-Epidemie auch einen Krisenstab. Über Einzelheiten will Spahn am Donnerstag gemeinsam mit Bundesinnenminister Horst Seehofer informieren.

Wichtig sei der Bundesregierung, sich bei den Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie mit den europäischen Partnern" abzustimmen, erklärte der Regierungssprecher. Nach Angaben eines Sprechers des Auswärtigen Amtes ist derzeit keine Reisewarnung für Italien vorgesehen,wo sich das Virus in Europa besonders rasch ausbreitet. Eine Reisewarnung werde erst ausgerufen, „wenn Gefahr für Leib und Leben besteht", betonte der Sprecher. Dies sei ein „Szenario, von dem wir weit entfernt sind."