Neues Coronavirus: Infizierte Reiserückkehrer wohlauf und symptomlos


  • Dr. med. Thomas Kron
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Kernbotschaften 

Den zwei Rückkehrern aus Wuhan, die sich mit dem Coronavirus angesteckt haben, haben laut Bundesgesundheitsminister vor dem Abflug in China und bei ihrer Ankunft in Frankfurt am Main keine Symptome gezeigt. Den behandelnden Ärzten zufolge geht es den beiden Patienten sehr gut. Ob die beiden Infizierten das Coronavirus weitergeben können, obwohl sie keine Symptome zeigen, ist noch unklar. In China breitet sich das Virus weiter aus. Nach chinesischen Angaben sind inzwischen mehr als 300 Menschen an der Erkrankung gestorben. Erstmals wurde ein Todesfall außerhalb der Volksrepublik gemeldet.

Erster Todesfall außerhalb von China

In ganz China sind mehr als 14300 Menschen mit dem neuen Virus infiziert, weltweit haben sich mehr als 14550 Menschen angesteckt (Stand: Sonntag, 20 Uhr). Bei dem ersten Todesfall außerhalb von China handelt es sich um einen 44-jährigen Chinesen aus Wuhan, der Hauptstadt von Hubei. Er und seine ebenfalls erkrankte Partnerin waren am 21. Januar auf die Philippinen gereist.

Chinesischen Forschern zufolge bleiben das wirkliche Ausmaß der Ausbreitung des neuen Coronavirus und das Pandemie-Potential unklar, solange es keine zuverlässige und detaillierten Zeitleiste über vermutete, wahrscheinliche und bestätigte Infektionsfälle sowie enge Kontakte der Infizierten gibt ( „The Lancet“ ). Den Modellberechnungen der chinesischen Wissenschaftler nach könnten sich in Wuhan bis zum 25. Januar dieses Jahres knapp 76000 Menschen mit dem neuen Virus infiziert haben.

Inzwischen haben auch die Ärzte der ersten in Deutschland infizierten Patienten den Krankheitsverlauf dieser Patienten in einer internationalen Fachzeitschrift dargestellt ( „New England Journal of Medicine“ ). Alle vier Patienten hatten nach Angaben der behandelnden Ärzte nur milde Symptome. Die Autoren weisen zudem darauf hin, dass angesichts limitierter Klinik-Kapazitäten und der gegenwärtigen Influenza-Saison geklärt werden sollte, ob infizierte Patienten mit nur leichten Symptomen auch ambulant versorgt werden könnten.

Klinik-Kapazitäten unzureichend?

Auf ihrer Ansicht nach unzureichende die Pandemie-Beauftragte der Bundesärztekammer, Dr. Susanne Johna, hingewiesen. Optimal für Patienten mit diesem Virus seien Einzelzimmer mit Vorschleusen, von denen es aber nicht mehr sehr viele gebe, wird Susanne Johna in mehreren Medien zitiert. Die Zahl dieser Zimmer sei im vergangenen Jahrzehnt aus Kostengründen reduziert worden. Johna erläuterte ferner, dass bei dringendem Behandlungsbedarf sogenannte Einzelboxen auf Intensivstationen benötigt würden, um die Übertragungsgefahr zu minimieren. Auch davon gebe es aus Kostengründen zu wenige, so die Hygiene-Expertin, die auch Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund ist.

Eine offizielle Stellungnahme zur Situation in Deutschland hat inzwischen auch Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, veröffentlicht. Darin heißt es:

„Im Umgang mit dem Coronavirus ist besonnenes Handeln gefragt. Entscheidend ist die klare Analyse, um konkrete Maßnahmen zum Schutz von Patienten und Ärzten ergreifen zu können. Das Bundesgesundheitsministerium sowie die nachgeordneten Behörden haben mit der Einrichtung eines Lagezentrums im Robert Koch-Institut, in dem die Informationen zusammenlaufen, sowie konkreten Verhaltens- und Schutzmaßnahmen sehr schnell die Initiative zur Eindämmung des Coronavirus ergriffen. Dazu zählen unter anderem eine Meldepflicht auch für Verdachtsfälle und die Ausstattung der Labore mit Virentests. Darüber hinaus bieten das Bundesgesundheitsministerium, das Robert Koch-Institut und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihren Webseiten umfangreiche und fundierte Informationen zu der Erkrankung und zum Umgang mit Verdachtsfällen an. Nach jetzigem Ermessen sind wir in unserem Gesundheitssystem mit Kompetenzzentren und Spezialkliniken für den Umgang mit dem Virus gut aufgestellt.“