Neues Coronavirus hat Deutschland erreicht


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Aktuelles im Fokus
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Kernbotschaften

Die Zahl der Infektionsfälle mit dem neuen Coronavirus ist weiter gestiegen, auch die Zahl der Todesfälle hat weiter zugenommen. Nun ist der neue Erreger auch in Deutschland angekommen. Betroffen ist ein Mann in Bayern. Der Mann soll sich in einem guten Zustand befinden. Todesfälle ausserhalb von China gibt es noch nicht. Die aktuelle Nachrichtenlage über das neue Coronavirus mit dem vorläufigen Namen 2019-nCoV ändert sich jedoch mit hohem Tempo. 

Keine Todesfälle in Europa

Bei über 4515 Menschen ist bisher (Stand 27.1.) das neue Virus nachgewiesen worden, die meisten Infizierten leben in China. Vereinzelte Fälle gibt es in Thailand und Hong Kong (je acht), in den USA, Taiwan, Australien und Makau (je 5), in Singapur, Japan, Südkorea und Malaysia (je 4), Frankreich (3),  Vietnam (2) und Nepal (1) sowie auch in Deutschland. Ein neun Monate altes Mädchen ist Medienberichten zufolge der jüngste betroffene Patient. Mindestens 106 Menschen sind bisher an der Infektionskrankheit gestorben, die große Mehrheit in der Provinz Hubei, dem Zentrum des Ausbruchs. Einen Todesfall hat es inzwischen auch in Shanghai gegeben

Rückholaktion auch für deutsche Staatsbürger 

Mehrere Staaten haben Rückholaktionen für Landsleute in der chinesischen Metropole Wuhan gestartet - um sie vor einer möglichen Infektion mit dem neuen Virus zu schützen. Die Bundesregierung plant eine solche Aktion für diese Woche. Nach SPIEGEL-Informationen soll die Bundeswehr die deutschen Staatsangehörigen ausfliegen. In der besonders schwer betroffenen Metropole Wuhan leben laut einer Sprecherin des Auswärtigen Amtes 90 deutsche Bürger. Auch Russland spricht einem Agenturbericht zufolge derzeit mit den chinesischen Behörden über eine mögliche Evakuierung russischer Staatsbürger aus Wuhan und der Provinz Hubei. 

Im Moment vorsichtige Entwarnung für Deutschland

Wissenschaftlich sind weiterhin einige Frage unbeantwortet. Laut Prof. Dr. Bernd Salzberger (Universitätsklinikum Regensburg), Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, sei derzeit klar, dass „die Entwicklung in den vergangenen Tagen mit einer (fast-)Verdopplung der bestätigten Fälle“ nur zu erklären sei durch Mensch-zu-Mensch Übertragung. Und „wenn man sich die Todesfälle anschaut: Von 17 zuerst beschriebenen Todesfällen waren 15 über 60 Jahre alt, 8 über 80, dann sieht es zumindest derzeit so aus, als ob bei jüngeren Menschen die Infektion milder verläuft“. Leider sei noch unbekannt, ob symptomlos Infizierte tatsächlich, wie befürchtet, bereits infektiös sein könnten, so Bernd Salzberger in einer Stellungnahme für das „Science Media Center Germany“ .

Eine gute Nachricht sei, dass „die ‚Case Fatality Rate’ (Anteil der Todesfälle innerhalb einer bestimmten Population von erkrankten Menschen im Verlauf der Krankheit) nach jetzigem Wissensstand für 2019-nCoV unter einem Prozent liege, so Prof. Dr. Clemens Wendtner (München Klinik Schwabing). Diese Rate sei deutlich niedriger als die bei SARS und MERS (bis 13 Prozent) – „sofern die chinesischen Kollegen, die wichtige Ergebnisse international bisher umgehend publiziert haben, die Wahrheit wiedergeben“, erklärt der Infektiologe, der auch Mitglied im „Ständigen Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger“ (STAKOB) beim Robert Koch-Institut ist. Allerdings sei auch bekannt, „dass es durchaus noch einen Shift hin zu ‚Super-Spreadern‘ mit höherer ‚Case Fatality Rate‘ und daher verlängerten Infektionsketten geben kann“. Dann müsste „vorsichtig optimistische beziehungsweise zumindest für Europa eher entwarnende Einschätzung“ geändert und angepasst werden. Seine derzeitige klinische Einschätzung aus der persönlichen Erfahrung mit MERS sei die: „Trotz eines wahrscheinlichen Imports von vereinzelten infizierten Fällen wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit keine signifikante Gefährdung für Deutschland durch 2019-nCoV geben!“