Neuer Wirkstoff hindert Spermien an der Befruchtung

  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Forschende aus den USA und Belgien haben einen Wirkstoff identifiziert, der spezifisch den Kaliumkanal SLO3 in Spermien hemmt, der bei der Befruchtung eine wesentliche Rolle spielt. Die Ergebnisse der Studie wurden kürzlich in PNAS veröffentlicht. Nach Einschätzung von Experten aus Deutschland könnte die Entdeckung der Wissenschaftler den Weg für eine neue Art der Verhütung ebnen.

Hyperpolarisation essenziell für Befruchtung

Für eine erfolgreiche Befruchtung müssen Spermien zur Eizelle gelangen und in diese eindringen. Bevor sie mit der Eizelle verschmelzen können, ändern die Spermien ihre Oberflächenspannung, indem sie Kaliumionen aus der Spermienzelle herauspumpen. Dieser als Hyperpolarisation bezeichnete Prozess ist essenziell für die Befruchtung, allerdings war bislang nicht bekannt, welcher Kaliumkanal dafür verantwortlich ist.

In ihrer Studie haben die Forschenden um Celia M. Santi vom Department of Obstetrics and Gynecology der Washington University School of Medicine in St. Louis die Substanz VU0546110 identifiziert, die in vitro spezifisch den Kaliumkanal SLO3, aber nicht SLO1 hemmt. So konnten sie herausfinden, dass SLO3 die Schlüsselrolle bei der Hyperpolarisation spielt. Darüber hinaus benötigen Spermien SLO3 für die Fortbewegung durch den weiblichen Fortpflanzungstrakt.

Die Studienautoren vermuten, dass die identifizierte Substanz voraussichtlich als nebenwirkungsarmes Verhütungsmittel in Frage kommt. „Diese Möglichkeit sehe ich grundsätzlich auch, das Potenzial dafür ist klar vorhanden. Allerdings ist es vom eindeutigen Laborergebnis bis zur praktischen Umsetzung ein weiter und unvorhersehbarer Weg, der sich aber lohnen könnte“, sagte Artur Mayerhofer, Arbeitsgruppenleiter am BioMedizinischen Centrum an der LMU München gegenüber dem science media center

Mutationen des Kaliumkanals als Ursache für Unfruchtbarkeit

Falls sich die Ergebnisse bestätigen ließen, hätten sie ebenfalls eine Bedeutung für die Diagnostik der männlichen Infertilität. So könnten Mutationen des Kanals, die dessen Funktion beeinträchtigen, ein Grund für bislang nicht erklärbare Fälle von männlicher Infertilität sein, räumte Mayerhofer ein.

Eine realistische Chance zur Entwicklung neuer kontrazeptiver Ansätze sieht auch Stefan Schlatt, Direktor des Centrums für Reproduktionsmedizin und Andrologie des Universitätsklinikums Münster: „Nach Beschreibung der Bedeutung des Kaliumkanals SLO3 in den vergangenen Jahren ist es in dieser Arbeit erstmals gelungen, einen spezifischen Inhibitor zum Blockieren dieses Kaliumkanals zu entwickeln und zu testen. Es konnte gezeigt werden, dass damit in humanen Spermien eine Befruchtung verhindert werden kann.“