Neue Strategie gegen HIV: CD4-Antikörper in früher klinischer Prüfung hoch wirksam

  • New England Journal of Medicine

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine neue Strategie, um mit therapeutischen Antikörpern die Bindung von HI-Viren an einen universalen Entry-Rezeptor auf T-Zellen zu unterdrücken, hat sich in einer klinischen Phase-2-Studie mit 29 HIV-Patienten als gut wirksam und sicher erwiesen, zumindest über einen Zeitraum von 4 Monaten. Die Virusreplikation wurde ohne antiretrovirale Therapie (ART) mit dem Antikörper effektiv unterdrückt.

Hintergrund

Da eine antitretrovirale Therapie bei HIV-Infizierten unwirksam oder unverträglich werden kann, werden alternative Ansätze gesucht. Frühere Versuche, durch HIV-neutralisierende „Breitband“-Antikörper die Virusreplikation zu unterdrücken, waren nicht erfolgreich, da das Virus Immune-Escape-Varianten bildet und die Antikörper unwirksam werden. Eine Antikörpertherapie gegen den HIV-Entry-Rezeptor CD4 ist eine neue Strategie. CD4 wird auf T-Helferzellen, Monozyten, Makrophagen und dendritischen Zellen exprimiert. Der Antikörper UB-421 bindet an den HIV-Rezeptor CD4 50- bis 100-mal stärker als das HI-Virus und verhindert dadurch dessen Eintritt in Immunzellen. Eine frühere Phase-1- und eine Phase-2a-Studie hatten ergeben, dass UB-421 sicher ist und bei Patienten, die keine antiretroviralen Medikamente einnahmen, die Virusreplikation unterdrücken kann.

Design

  • Phase-2-Studie mit 29 HIV-1-infizierten Patienten mit nicht detektierbaren Plasmaleveln (
  • Antikörpertherapie: 8 Infusionen UB-421 in einer Dosis von 10 mg/kg wöchentlich oder 25 mg/kg alle 2 Wochen

Hauptergebnisse

Beide Applikationsregime unterdrückten die Virusreplikation über 16 Wochen sehr effektiv: Bei keiner Laborkontrolle erreichte die Kopienzahl die kritische Grenze von 400/ml. Bei 8 Teilnehmern (28 %) gab es vereinzelt Plasmaproben mit 21-142 Viruskopien/ml. Bei den darauf folgenden Kontrollen lagen die Werte aber wieder darunter. Die pharmakokinetischen Untersuchungen ergaben, dass die Konzentrationen von UB-421 allmählich abfielen, aber bis zur nächsten Infusion in einem Bereich blieben, der die Virusreplikation sicher hemmt. Die HIV-Suppression mit UB-421 war den Autoren zufolge effektiver als alle bisher getesteten breit neutralisierenden Anti-HIV-Antikörper. Allerdings traten bei vielen Patienten Hautausschläge auf, wenn auch nur vorübergehend.

Klinische Bedeutung
 

Die direkt wirkende antiretrovirale Therapie ist lebensrettend und hat die HIV-Infektion von einer tödlichen zu einer kontrollierbaren chronischen Erkrankung gemacht. Resistenzen können a ll er dings zu Wirksamkeitseinbußen führen, ebenso eine nicht optimale Compliance der Patienten, weil sie unerwünschte Wirkungen haben oder bei der lebenslangen Einnahme nachlässig werden.

Eine neue alternative Strategie, der Zugang von HIV in die Wirtszellen über einen Anti-CD4-Antikörper kompetitiv zu hemmen, hat sich in der frühen klinischen Prüfung wirksam und sicher erwiesen und sollte, so die Forscher, weiterentwickelt werden. In Deutschland leben circa 90.000 Menschen mit HIV.

Finanzierung: Firmenfinanzierung