Neue S2k-Leitlinie Geburtseinleitung veröffentlicht

  • Mitteilung Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Bei rund 20 bis 25 Prozent aller Schwangerschaften wird die Geburt eingeleitet. Eine neue deutschsprachige S2k-Leitlinie bietet wissenschaftlich gestützte Handlungsempfehlungen für diese gängige geburtshilfliche Maßnahme. Dabei liegt der Fokus auf Indikationen, Methoden und generellem Management.

„Die Geburtseinleitung gehört zu den häufigsten Maßnahmen im geburtshilflichen Alltag. Gleichwohl gibt es trotz ausreichend vorliegender Evidenz ein sehr heterogenes Vorgehen, weshalb wir in dieser Leitlinie die Indikationen und die verschiedenen Methoden mit ihren Vor- und Nachteilen einschließlich der Risiken darstellen“, sagt Leitlinienkoordinator Sven Kehl vom Universitätsklinikum Erlangen.

Die Autoren der Leitlinie betonen, dass die Indikation für eine Geburtseinleitung in jedem Einzelfall kritisch gestellt werden müsse. Generell gilt, dass eine Geburtseinleitung dann durchgeführt wird, wenn durch diesen Eingriff ein besseres Geburtsergebnis für Mutter und Kind erreicht werden kann, als bei einer abwartenden Haltung, heißt es in einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), welche die Arbeit an der Leitlinie federführend koordiniert hat.

Wann sollte die Geburt eingeleitet werden?

Wissenschaftlich gesicherte Indikationen für eine Geburtseinleitung können laut Leitlinienempfehlung sein: Terminüberschreitung und Übertragung, früher vorzeitiger Blasensprung, Schwangerschaftsdiabetes, abnorme Fruchtwassermenge, unzureichendes Wachstum des Kindes im Mutterleib, akut in der Schwangerschaft auftretende Leberkrankheit mit Gallestau, Bluthochdruck in der Schwangerschaft oder der Verdacht auf ein zu großes Kind.

„Weder eine SARS-CoV-2-Infektion noch die COVID-19-Erkrankung allein stellen eine Entbindungsindikation dar. Eine relevante mütterliche Beeinträchtigung der Atemwege kann jedoch eine Entbindung erforderlich machen,“ so Leitlinienkoordinator Michael Abou-Dakn.

Geburtseinleitung bei Schwangeren nach Kaiserschnitt

Die Indikation für eine Einleitung bei Schwangeren mit vorherigem Kaiserschnitt sollte kritisch gestellt werden, betonen die Autoren. Die Erfolgsrate für eine vaginale Entbindung nach Kaiserschnitt liege insgesamt etwa bei 75 %. Vor diesem Hintergrund sollte ein vaginaler Entbindungsversuch unternommen werden, wenn die Voraussetzungen hierfür vorliegen. Nach einem Kaiserschnitt sollte laut Leitlinie wegen eines erhöhten Risikos für das Auftreten einer Uterusruptur nicht mit Prostaglandin E1-Analoga eingeleitet werden. Nach zwei Kaiserschnitten wird keine Einleitung mehr empfohlen.

Weitere Themen der Leitlinie sind die Geburtseinleitung bei Zwillingsschwangerschaften sowie die medikamentöse Geburtseinleitung, einschließlich Empfehlungen für die viel diskutierte Gabe von Prostaglandin-E1-Analoga (Misoprostol). Demzufolge herrscht wissenschaftlicher Konsens darüber, dass Misoprostol das wirksamste Medikament zur Geburtseinleitung bei einem unreifen Zervixbefund sei, so die Leitlinienautoren.