Neue Mammographie-Technik verbessert Tumorerkennung und senkt die Rückrufrate


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine große, aber nicht randomisierte, US-amerikanische Studie bestätigt den Anspruch der digitalen Brust-Tomosynthese (DBT) künftig zu dem Routineverfahren in der Mammographie zu werden. Die Rückrufrate konnte damit um ein Drittel gesenkt werden, gleichzeitig wurden mehr kleinere, knotennegative, invasive Tumoren erkannt.

Hintergrund

Bei ausgewählten Populationen konnte bereits nachgewiesen werden, dass durch die Kombination mehrerer Schichtaufnahmen (digitale Brust-Tomosynthese, DBT) eine höhere Spezifität bei der Brustkrebserkennung erreicht werden kann, als mit der konventionellen digitalen Mammographie (DM). Unklar war jedoch, ob dies für alle Altersstufen ebenso gilt wie für unterschiedlich dichtes Brustgewebe, und ob mit der DBT möglicherweise andere Tumorarten erkannt werden.

Design

Retrospektive Analyse anhand prospektiv gewonnener Daten einer Kohorte von 96.269 Frauen zwischen 40 und 74 Jahren (Durchschnitt 55,9), die in 3 Zentren des PROSPR-Consortiums entweder mit DM oder mit DBT untersucht worden waren. Die wichtigsten Ausgangskriterien waren die Rückrufrate, die Rate an Biopsien und nachgewiesenen Tumoren, der positive Vorhersagewert und die Verteilung invasiver Tumor-Subtypen

Hauptergebnisse

  • Im Laufe der Studie wurden zwischen 2011 und 2014 insgesamt 180.340 Untersuchungen durchgeführt, davon 71,7 % mit DM und 28,3 % mit DBT.
  • Die Rückrufrate war wie erwartet bei jüngeren Frauen, bei solchen mit dichteren Brüsten, und beim ersten Screening erhöht, mit DBT jedoch etwa ein Drittel geringer als mit DM. Das Chancenverhältnis OR wurde auf 0,64 geschätzt bei einem 95%-Konfidenzintervall von 0,57 – 0,72 (P
  • Mit DBT wurden mehr Krebserkrankungen gefunden (OR 1,41; 95%-KI 1,05 – 1,89; P = 0,02).
  • In der Altersgruppe von 40 bis 49 Jahren wurden je 1000 Frauen mit DBT 1,70 mehr Krebsfälle nachgewiesen, bei Frauen mit dichten Brüsten betrug dieser Unterschied 2,27 Fälle / 1000.
  • 25,0 % der Krebserkrankungen, die bei Frauen zwischen 40 und 49 Jahren mit DBT gefunden wurden, wurden als „fortgeschritten“ klassifiziert; mit DM lag dieser Anteil bei 40,4 % - wenn auch die Differenz statistisch nicht signifikant war.

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse des PROSPR-Consortiums legen nahe, dass mit der DBT insbesondere bei Frauen zwischen 40 und 49 Jahren kleinere, knotennegative, invasive Tumoren erkannt werden. Die Autoren glauben deshalb, dass die DBT für diese Altersgruppe ein günstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis aufweist. Dies wäre auch in Einklang mit den Empfehlungen der European Society of Breast Imaging, die in der DBT das kommende Routineverfahren sieht. Allerdings waren die Frauen in der PROSPR-Studie nicht randomisiert worden und es gab (geringfüge) Unterschiede in den Risikoprofilen der beiden Gruppen. Schließlich besteht das eigentliche Ziel von Screening-Maßnahmen darin, die Mortalität zu senken. Ob die DBT dazu beitragen kann, müssen prospektive, randomisierte und langfristige Studien erst noch beweisen.

Finanzierung: National Cancer Institute via Population-based Research Optimizing Screening Through Personalized Regimens (PROSPR) Consortium.