Neue Leitlinie zu Virusinfektionen bei Patienten nach Stammzell- oder Organtransplantation

  • AWMF

  • Oncology guidelines update
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Die Abstoßungsprophylaxe nach allogener Transplantation erhöht das Risiko für schwere Virusinfektionen. Eine neue Leitlinie gibt evidenzbasierte Empfehlungen zu Diagnostik, Prävention und Therapie.

Hintergrund

Nach allogener Organ- (SOT) oder Stammzell-Übertragung (allo-SZT) bei Krebspatienten sind die Transplantatempfänger wegen der schweren therapiebedingten Immunsuppression durch virale Infektionen besonders gefährdet. Ein Screening vor und ein risikoadaptiertes Monitoring nach der Transplantation, verbunden mit einer Prophylaxe oder einer präemptiven Therapie, kann Virusinfektionen häufig verhindern oder abschwächen. Die neue S2k-Leitlinie gibt evidenzbasierte Empfehlungen zur virologischen Diagnostik und zur medikamentösen Therapie im stationären und im ambulanten Bereich. Die Empfehlungen sind nach Risikokonstellationen differenziert.

Design

  • Erarbeitung der Leitlinie durch 20 an SOT und allo-SZT beteiligten Fachgesellschaften
  • Adaptation an das jeweilige Risikoprofil des Patienten
  • Zusammenfassung der praktischen Empfehlungen durch eine interdisziplinäre Expertengruppe in Virus-übergreifenden Tabellen
  • Bewertung der vorliegenden wissenschaftlichen Evidenz und nach den Regeln der AWMF

Hauptergebnisse

Die Empfehlungen beziehen sich auf das Herpes-simplex-Virus (HSV), Varicella-Zoster (VSV), Cytomegalovirus (CMV), Epstein-Barr-Virus EBV, Humanes Herpesvirus 6 HHV 6), Adenoviren (AdV), Parvovirus B19 (B19V), BK-Polyomavirus (BKPyV) und respiratorische Viren. Zu den Viren gibt es jeweils Einzelkapitel.

  • Bei Überschreitung eines Schwellenwerts oder eines Anstiegs der Viruskonzentrationen im Verlauf sollte eine Adjustierung der Immunsuppression und eventuell eine virostatische Therapie erfolgen. Änderungen der Viruskonzentration um weniger als einen Faktor 3 sind als Testschwankung einzustufen.
  • Bei HSV, VZV, CMV und EBV wird in bestimmten Konstellationen wegen Häufigkeit und Schwere von Komplikationen eine Prophylaxe oder präemptive Therapie empfohlen.
  • Da Windpocken für die Organ- oder SZT-Empfänger lebensbedrohlich sein können, raten die Experten nach entsprechendem Kontakt zur medikamentösen Postexpositionsprophylaxe mit Aciclovir oder Valaciclovir für 3-22 Tage, beginnend maximal 96 h nach Exposition. Alternativ kann Varicella-Zoster-Immunglobulin gegeben werden.
  • Bei Auftreten klinischer Symptome soll, unabhängig von der Durchführung einer Prophylaxe oder eines regelmäßigen Monitorings, eine virologische Diagnostik über den direkten Virusnachweis erfolgen. Methode der Wahl ist die PCR.

Klinische Bedeutung

Die Leitlinie soll helfen, die Risiken von Patienten vor und nach allogener Transplantation zu reduzieren. Ein Konsens zu Methodik, Frequenz und Umfang der virologischen Untersuchungen, über Art und Dauer der Prophylaxe und präemptive Behandlungsformen, wie ihn diese Leitlinie abbildet, ist eine wichtige Grundlage, um die Versorgung zu verbessern.

Finanzierung: nach AWMF-Konditionen