Neue Leitlinie „Lumbalpunktion und Liquordiagnostik" nun online verfügbar

  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

 

Die S1-Leitlinie „Lumbalpunktion und Liquordiagnostik“ 

 

 

 

ist überarbeitet worden und nun online verfügbar. Es handelt sich um eine Erweiterung und Aktualisierung der S1-Leitlinie „Diagnostische Liquorpunktion“, die zum 1. Januar 2016 ausgelaufen war. Neu sind unter anderem Empfehlungen zur Lumbalpunktion bei Patienten mit NOAK oder dualer plättchenhemmender Therapie.

Bei neurodegenerativen Erkrankungen zunehmend wichtig

Die Lumbalpunktion ist bei vielen neurologischen Erkrankungen indiziert,  etwa bei entzündlichen neurologischen Erkrankungen wie Meningitis, Multiple Sklerose, zum Nachweis von bildgebend nicht fassbaren Subarachnoidalblutungen oder Ausbreitung maligner Erkrankungen auf den Liquorraum und die Meningen. Auch in der Diagnostik und Differentialdiagnostik neurodegenerativer Erkrankung spielt die Liquoranalytik eine zunehmend wichtige Rolle. „Die Liquoruntersuchung stellt häufig die einzig sichere Diagnosemöglichkeit dar, sie ist in vielen Fällen sogar alternativlos“, betonen die Koordinatoren Professor Hayrettin Tumani (Schwendi/Ulm) und Privatdozent Hela-F. Petereit (Köln).

Hinweise zur Lumbalpunktion

Die Leitlinien-Autoren geben konkrete Hinweise zur praktischen Durchführung der Lumbalpunktion. Sie empfehlen, vor der Punktion der Liquorräume das schriftliche Einverständnis des Patienten einzuholen und Kontraindikationen wie eine Blutungsneigung oder einen erhöhten intrakraniellen Druck auszuschließen. Um unnötige Nachpunktionen zu vermeiden, raten sie, eine ausreichende Menge (mind. 10 ml) zu gewinnen und die Liquor- und zeitgleich abgenommene Serumprobe unverzüglich in ein spezialisiertes Labor zu verschicken, damit das Notfall- und Grundprogramm der Liquoranalytik innerhalb von zwei Stunden durchgeführt werden kann. Für die zeitsensitive Liquorzytologie wird sogar eine Transportzeit von weniger als eine Stunde zu empfehlen. 

Vorgehen bei Patienten mit neuen Antikoagulanzien und dualer Plättchenhemmung

Ergänzend zur Vorgänger-Leitlinie enthält die aktualisierte Fassung auch Empfehlungen für das Vorgehen bei Patienten mit neuen oralen Antikoagulanzien (NOAK) und dualer Plättchenaggregationshemmung. Nach Angaben der Autoren ist die Indikation zur LP bei gerinnungshemmender Therapie häufig eine Einzelfallentscheidung, die im interdisziplinären Diskurs getroffen werden muss. Das Risiko einer Unterbrechung der gerinnungshemmenden Therapie muss gegen das vermehrte Blutungsrisiko bei LP unter gerinnungshemmender Therapie abgewogen werden.

Neu ist außerdem, dass nach den revidierten McDonald-Kriterien von 2017 bei Patienten mit einem klinisch-isolierten Syndrom, die die MRT-Kriterien einer räumlichen Dissemination erfüllen, die Diagnose einer schubförmigen Multiplen Sklerose gestellt werden kann, wenn im Liquor isolierte oligoklonale Banden nachgewiesen werden.

Liquoranalytik: Angabe einer sinnvollen Fragestellung ist wichtig

Die Liquoranalytik erfordert eine zusammenfassende Beurteilung aller Einzelbefunde in einem integrierten Gesamtbefund, damit eine zuverlässige und diagnostisch wertvolle Befundaussage erzielt werden kann. Die neue Leitlinie hebt hervor, dass die Angabe einer sinnvollen klinischen Fragestellung mit Einreichung der Probe von besonderer Wichtigkeit für die Befundung ist.

Die Leitlinie gibt in Folge detaillierte Empfehlungen zur Liquordiagnostik und den typischen Befundkonstellationen der einzelnen neurologischen Erkrankungen (infektiös-entzündliche Erkrankungen, autoimmun-entzündliche Erkrankungen, degenerative Erkrankungen, vaskuläre Erkrankungen, neoplastische Erkrankungen und sonstigen Erkrankungen wie einer Liquorfistel oder die idiopathische intrakranielle Hypertension).

Die aktualisierte Leitlinie ist bis zum 24. Juli 2024 gültig.