Neue Hinweise auf den Nutzen der Eosinophilen-Bestimmung beim COPD-Management


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Betrachtet man die Wahrscheinlichkeit einer Exazerbation bei COPD-Patienten unter einer initialen Erhaltungstherapie mit LABA-ICS versus LAMAs, so sind LABA-ICS nur bei Patienten mit Eosinophilen-Konzentrationen > 4 % überlegen.

Hintergrund

Für eine initiale Erhaltungstherapie bei Patienten mit COPD kommen sowohl lang wirksame ß2-Agonisten in fixer Kombination mit inhalativen Steroiden (LABA-ICS) in Frage als auch lang wirkende Muskarinrezeptor-Antagonisten (LABA). Da eine Eosinophilie als potenzieller Biomarker für die Wirksamkeit der ICS-Therapie gilt, wurden hier Wirksamkeit und Nebenwirkungen beider Behandlungsschemata in Abhängigkeit von einer vorliegenden Eosinophilie untersucht.

Design

Populationsbasierte Kohortenstudie mit 539.643 COPD-Patienten aus dem UK Clinical Practice Research Datalink, von denen jeweils 12.366 mit möglichst ähnlichen Eigenschaften ausgewählt („gematcht“) wurden, die zwischen den Jahren 2002 und 2015 eine Therapie mit LABA-ICS bzw. LAMAs begonnen hatten, und für die zuvor die Konzentration der Eosinophilen bestimmt worden war. Im einjährigen Follow-Up wurde unter anderem das Auftreten mittlerer und schwerer Exazerbationen und schwerer Pneumonien erfasst.

Hauptergebnisse

  • In der gesamten Studienpopulation betrug das Chancenverhältnis HR für COPD-Exazerbationen bei Patienten, die mit LABA-ICS gestartet wurden, gegenüber denjenigen mit LAMAs (hier hauptsächlich Tiotropium) 0,95. Bei einem 95%-Konfidenzintervall von 0,90 – 1,01 war dieser Wert nicht signifikant.
  • Betrachtet man die HR in Abhängigkeit von der Eosinophilen-Konzentration, so ergab sich für
    • Eosinophile
    • Eosinophile 2% – 4% ein HR von 1,00 (95%-KI 0,91 – 1,10) und für
    • Eosinophile > 4 % ein HR von 0,79 (95%-KI 0,70 – 0,88).
  • Pneumonien waren unter Patienten, die mit LABA-ICS begonnen hatten, häufiger (HR 1,37), jedoch unabhängig von der Eosinophilen-Konzentration.

Klinische Bedeutung

Die unter Praxisbedingungen durchgeführte Studie stärkt die potenzielle Relevanz der Eosinophilen-Konzentration als Entscheidungshilfe für die initiale Erhaltungstherapie bei der COPD. Demnach sind LABA-ICS nur bei Patienten mit Werten von > 4% oder > 300 Zellen / µl wirksamer als LAMAs. Die Autoren verweisen auf das erhöhte Pneumonierisiko unter LABA-ICS und raten daher zu LAMAs für alle Patienten mit Eosinophilen-Konzentrationen unter 4 %.

Finanzierung: Canadian Institutes of Health Research, Canadian Foundation for Innovation.