Neue Haut aus dem Labor für Siebenjährigen mit Epidermolytis bullosa


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine Kombination aus Stammzellzucht und Gentherapie ermöglichte es, bei einem siebenjährigen Jungen mit schwerer Epidermolysis bullosa fast die gesamte Haut zu ersetzen. Er führt seitdem ein fast normales Leben.

Hauptergebnisse

  • Sechs Wochen vor Einlieferung in die Klinik hatte sich das Befinden des siebenjährigen Patienten rapide verschlechtert. Er litt an Infektionen mit Staphylococcus aureus und Pseudomonas aeruginosa und hatte die Haut an 60 % der Körperoberfläche verloren, zum Zeitpunkt der ersten Operation an 80 %.
  • Etwa einen Monat nach der Transplantation sah man eine fast vollständige Regeneration der Epidermis durch das transgene Epidermisgewebe.
  • In den folgenden Wochen gelang es mit weiteren Transplantationen, fast 80 % der Haut des Patienten wiederherzustellen.
  • Während eines Follow-Ups von 21 Monaten blieb die regenerierte Epidermis fest mit der darunterliegenden Dermis verbunden, auch unter mechanischer Belastung. Sie heilte normal und bildete keine Blasen.
  • Seit der Entlassung des Patienten im Februar 2016 ist dessen Epidermis stabil und widerstandsfähig, bildet keine Blasen, juckt nicht und benötigt keine Medikamente.

Design

  • Therapieversuch bei einem siebenjährigen Jungen mit schwerer Epidermolytis bullosa mit einer definierten Mutation im LAMB3-Gen.
  • Kombination von ex vivo-Zelltherapie und Gentherapie:
    • Entnahme einer Biopsie von 4 qcm noch nicht blasenbildender Haut.
    • Etablierung von Keratinozytenkulturen.
    • Transduktion der Zellen mit einem retroviralen Vektor, der die vollständige LAMB3-Gensequenz trug.
    • Sequentielle Verpflanzung von 0,85 qm großen transgenen Epidermisstücken zur Abdeckung aller bloßen Körperstellen.
  • Finanzierung: Holostem Terapie Avanzate, Italienisches Bildungsministerium, DEBRA, Europäischer Forschungsrat.

Klinische Bedeutung

Die Epidermolysis bullosa ist eine schwere Erbkrankheit der Haut, von der in Europa schätzungsweise 35000 Kinder betroffen sind. Spontane Blasenbildung und eine Neigung zu Traumata schon bei leichten Berührungen sowie Infektionen und ein erhöhtes Hautkrebsrisiko sind kennzeichnend und können in schweren Fällen zum Tod führen. Versuche, die unheilbare Krankheit mittels einer Gentherapie zu behandeln, waren zuvor bei zwei Patienten erfolgreich, allerdings wurden bei ihnen nur kleine Hautpartien therapiert. Im jetzt vorgestellten Fall waren 80 % der Epidermis abgelöst. Die Forscher infizierten Keratinozyten des Jungen ex vivo mit einem gentechnisch modifizierten Retrovirus, der eine intakte Version des Gens LAMB3 in die Zellen einschleuste, sodass das Protein Laminin-332 wieder vollständig gebildet wurde, und die Epidermis an der darunterliegenden Dermis verankern konnte. Dass der behandelte Junge bereits im Februar 2016 aus der Klinik entlassen wurde und inzwischen ein normales Leben führen kann, verdeutlicht das enorme Potenzial dieses Therapieansatzes. Die Autoren regen an, bei neu diagnostizierten Patienten Stammzellbanken anzulegen, mit denen sich entwickelnde Hautläsionen frühzeitig behandelt werden könnten.