Neue europäische Leitlinien zu chronischen Koronar-Syndromen erstellt

  • European Heart Journal

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften 

Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) hat neue Leitlinien zur Diagnose und Therapie chronischer Koronar-Syndrome erstellt. Die neuen Empfehlungen sind beim Jahreskongress der Gesellschaft in Paris vorgestellt worden und zeitgleich im „European Heart Journal“ erschienen. 

Neue Bezeichnung: chronische Koronar-Syndrome

Statt des alten Begriffes „stabile Koronar-Erkrankung“ verwenden die Autoren der neuen Leitlinien die letztes Jahr eingeführte Bezeichnung chronische Koronar-Syndrome als „Pendant“ zum akuten Koronar-Syndrom. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass es sich bei der „stabilen Koronar-Erkrankung“ um dynamische Prozesse der zugrundeliegenden Gefäßsklerose und Gefäßfunktion handelt, die durch die Lebensweise sowie medikamentöse und andere Therapie beeinflusst werden können.

Bei chronischen Koronar-Syndromen handelt es sich um unterschiedliche Erscheinungsformen einer Erkrankung. Die Leitlinien-Autoren unterscheiden sechs Formen oder Szenarien:

  • Vermutete koronare Arterien-Erkrankung (CAD) bei „stabilen“ Angina ähnlichen Symptomen, mit oder ohne Luftnot;
  • Erstmaliges Auftreten von Herzinsuffizienz-Symptomen oder linksventrikuärer Dysfunktion bei Verdacht auf CAD;
  • Asymptomatik oder stabilisierte Symptomatik innerhalb von einem Jahr nach akutem Koronar-Syndrom oder einem revaskularisierenden Eingriff an Herzkranzgefäßen;
  • Asymptomatische oder symptomatische Patienten mehr als ein Jahr nach der erstmaligen Diagnose oder einem revaskularisierenden Eingriff;
  • Patienten mit Angina und Verdacht auf vasospastische oder mikrovaskuläre Erkrankung;
  • Patienten mit asymptomatischer, zufällig entdeckter CAD.

Neues auch zur antitrombotischen Therapie und Herzinsuffizienz

Neu sind in den Leitlinien auch Empfehlungen zur antithrombotischen Behandlung von CAD-Patienten mit Sinus-Rhythmus oder Vorhofflimmern. Dazu zählt die Empfehlung, bei Patienten mit hohem Ischämie-Risiko, aber geringer Blutungs-Gefahr zur Langzeit-Sekundärprävention die Kombination von ASS mit einem zweiten Antithrombotikum zu erwägen. Bei Patienten mit wenigstens moderatem Ischämie-Risiko und ohne Blutungs-Risiko könne eine solche Kombinationstherapie erwogen werden. Wird eine orale Antikoagulation wegen Vorhofflimmerns begonnen, sollten die neuen oralen Gerinnungshemmer den Vitamin-K-Antagonisten vorgezogen werden.

Enthalten sind in den neuen Leitlinien auch die Empfehlungen zur Herzinsuffizienz-Therapie mit Sacubitril/Valsartan (Handelsname Entresto) bei Patienten mit reduzierter linksventrikulärer Auswurfleistung, wie sie in den Leitlinien zur Herzinsuffizienz aufgeführt sind. Bei der Behandlung von Fettstoffwechselstörungen orientieren sich die Autoren an den ebenfalls aktuellen Empfehlungen zum „Management bei Dyslipidämie“. Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und einem chronischen Koronar-Syndrom präferieren die Autoren GLP-1-Rezeptoragonisten und SGLT-2-Hemmer.

Nicht empfohlen wird die Karotis-Sonografie zur Einschätzung des kardiovaskulären Risikos bei asymptomatischen Patienten mit CAD.