Neue Antibiotika wenig wirksam gegen multiresistente Infektionen

  • Weltgesundheitsorganisation (WHO)

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Die Entwicklung neuer Antibiotika sei laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu langsam. Rückläufige Investitionen und mangelnde Innovation bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe untergraben die Bemühungen zur Bekämpfung multiresistenter Infektionen, heißt es in einer aktuellen Meldung.

Zwei neuen Berichten zufolge befinden sich derzeit 60 neue Wirkstoffe in der Entwicklung – darunter 50 Antibiotika und 10 Biologika. Von den 50 in der Pipeline befindlichen Antibiotika zielen 32 auf die von der WHO als vorrangig eingestuften Erreger ab, doch die meisten haben im Vergleich zu den vorhandenen Antibiotika nur einen begrenzten Nutzen. Zwei davon sind gegen die multiresistenten gramnegativen Bakterien wirksam, die sich schnell ausbreiten und dringend Lösungen benötigen.

Kein geeigneter Wirkstoff gegen NDM-1

Die Berichte weisen laut WHO auf eine besorgniserregende Lücke in der Aktivität gegen das hochresistente Carbapenem-spaltende Enzym NDM-1 (New Delhi Metallo-beta-Lactamase 1) hin. NDM-1 macht Bakterien gegen eine breite Palette von Antibiotika resistent, darunter auch gegen solche aus der Carbapenem-Familie, die heute die letzte Therapiemöglichkeit gegen antibiotikaresistente bakterielle Infektionen darstellen.

Gramnegative Bakterien, wie Klebsiella pneumoniae und Escherichia coli, können schwere und oft tödliche Infektionen verursachen, die eine besondere Bedrohung für Menschen mit einem schwachen oder noch nicht voll entwickelten Immunsystem darstellen, darunter Neugeborene, ältere Menschen sowie Menschen, die sich einer Operation oder Krebsbehandlung unterziehen.

"Es ist wichtig, die öffentlichen und privaten Investitionen auf die Entwicklung von Behandlungen zu konzentrieren, die gegen die hochresistenten Bakterien wirksam sind, denn uns gehen die Möglichkeiten aus", sagt Hanan Balkhy, stellvertretender Generaldirektor der WHO für antimikrobielle Resistenz. "Und wir müssen sicherstellen, dass diese neuen Behandlungen, sobald wir sie haben, allen zur Verfügung stehen, die sie brauchen."

Resistenzgefahr: Lösungen dringend benötigt

Auch Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO schlägt Alarm: „Noch nie war die Gefahr einer antimikrobiellen Resistenz so unmittelbar und der Bedarf an Lösungen so dringend wie heute. Es gibt zahlreiche Initiativen zur Verringerung der Resistenz, aber wir brauchen auch Länder und die Pharmaindustrie, die ihre Anstrengungen intensivieren und mit nachhaltigen Mitteln und innovativen neuen Medikamenten einen Beitrag leisten müssen".

Bislang werde die Forschung und Entwicklung für Antibiotika vor allem von kleinen oder mittleren Unternehmen vorangetrieben, während große Pharmaunternehmen weiterhin aus dem Feld ausschieden.