Neuartiger Neurostimulator bei Patienten weltweit erstmals implantiert

  • Universitätsklinikum Regensburg / Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München

  • von Dr. Carola Krause
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Am Universitätsklinikum Regensburg (UKR) und am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) wurde weltweit die ersten Patienten, eine Patientin mit Zwangsstörungen und ein Parkinson-Patient, mit einem neuartigen Tiefen Hirnstimulations (THS)-Schrittmacher versorgt, der nicht nur Signale an das Gehirn sendet, sondern die Signale des Gehirns auch lesen und entsprechend gezielt durch Impulse darauf reagieren kann.

Hintergrund

Bei einer THS werden Patienten Neurostimulatoren implantiert, die Elektroden im Gehirn ansteuern und dort präzise festgelegte Bereiche elektrisch stimulieren können. Obschon die THS-Methode seit Jahrzehnten im Einsatz bei neurologischen Bewegungsstörungen ist, wurde ein neuartiger Neurostimulator mit „BrainSense“-Technologie erst im Januar 2020 in der EU zur Symptombehandlung von Parkinson-Krankheit, essentiellem Tremor, primärer Dystonie sowie Epilepsie und Zwangsstörungen zugelassen. Mit der BrainSense Technologie können rund um die Uhr Gehirnsignale von Patienten erfasst werden. Die Patienten können zusätzlich mittels einer App täglich ihren Gesundheitszustand erfassen. Anschließend kann der behandelnde Arzt die Daten zur Optimierung der personalisierten Therapie auswerten.  

Erste Parkinson-Behandlung mittels THS

Das neuartige THS-System wurde nun erstmals bei einem Parkinson-Patienten im Nucleus subthalamicus (STN) an der Neurochirurgischen Klinik des LMU-Klinikums München eingesetzt. Die Ärzte gehen davon aus, dass dies eine personalisierte Versorgung des Patienten ermöglicht. Die Stimulation soll so gezielt den Anforderungen der Parkinson-Patienten, z.B. Gehen, Sprechen, Schlafen oder auch Reden und gleichzeitig Gehen, angepasst und optimiert werden, damit die Patienten ihren Alltag besser bewältigen können.

Erste Behandlung von Zwangsstörungen mittels THS

Bei einer 36-järigen Patientin mit Zwangsstörung wurde ebenfalls ein THS-Schrittmacher implantiert um immer wiederkehrenden Zwangsgedanken, die sich trotz medikamentöser Therapie und Verhaltenstherapie verschlechterten, zu behandeln. Obwohl der Schrittmacher bisher noch nicht vollständig aktiviert sei, würde, laut der Ärzte am Zentrum für Allgemeinpsychiatrie der Universität Regensburg am medbo Bezirksklinikum, die Anwesenheit der Elektroden im Gehirn bereits eine Besserung der Symptome bewirken. Die Nervenaktivität des Gehirns, die mit Zwangsgedanken einhergeht, soll nach der Feinjustierung durch elektrische Impulse möglichst gezielt durchbrochen werden.

Schlussfolgerungen

Der neue THS-Stimulator kann die Gehirnaktivität bestimmter Zentren messen und darauf mit unterschiedlicher Stimulationsstärke reagieren. Ob diese rückgekoppelte Stimulation der bisherigen kontinuierlichen Stimulation überlegen ist, werden die Ärzte der beiden Kliniken in den kommenden Monaten wissenschaftlich untersuchen. Sollte sich herausstellen, dass die THS-Schrittmacher nicht den gewünschten Erfolg bringen, können die Geräte jederzeit deaktiviert werden; auch die operative Entfernung ist möglich.

Finanzierung: keine Angaben