Netzwerk-Metaanalyse versucht Nutzenbewertung von 30 Schlafmitteln

  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

In einer Netzwerk-Metaanalyse haben Forscher die Wirksamkeit und Sicherheit von 30 Substanzen gegen Schlafstörungen indirekt miteinander verglichen. In der Gesamtbewertung erhalten Eszopiclon und Lemborexant eine günstige Bewertung, dennoch wird vor Nebenwirkungen gewarnt.

Hintergrund

Zur medikamentösen Therapie von Schlafstörungen stehen mehrere Dutzend Wirkstoffe zur Verfügung. Sie werden, auch wegen der mangelnden Verfügbarkeit psychologischer Interventionen, bevorzugt verabreicht, doch ist ihre relative Wirksamkeit nur schwer abzuschätzen.

Design

Systematische Übersichtsarbeit und Netzwerkmetanalyse zur akuten und langfristigen Wirksamkeit von Schlafmitteln als Monotherapie anhand einer Literaturrecherche zu publizierten und unveröffentlichten randomisierten klinischen Studien in 8 Datenbanken, sowie auf den Webseiten von Zulassungsbehörden. Einschlusskriterien waren ein Mindestalter der Teilnehmer von 18 Jahren und die Diagnose einer Schlafstörung. Neben der Wirksamkeit, die anhand der Schaltqualität im Selbstbericht erhoben wurde, waren die Studienziele das Absetzen der Behandlung aus jeglichem Grund und wegen Nebenwirkungen, sowie die Sicherheit unter der akuten wie auch langfristigen Behandlung.

Ausgewählte Ergebnisse

  • Für die Übersichtsarbeit fanden sich 170 geeignete Studien mit 47950 Teilnehmern, für die Netzwerk-Metanalyse waren geeignet 154 Studien mit 30 Wirkstoffen und 44089 Teilnehmern.
  • Mit mittleren Standarddifferenzen (SMD) zwischen 0,36 und 0,83 erwiesen sich in der Akutbehandlung als wirksamer im Vergleich zu Placebo: Benzodiazepine, Doxylamin, Eszopiclon, Lemborexant, Seltorexant, Zolpidem und Zopiclon.
  • Benzodiazepine, Eszopiclon, Zolpidem und Zopiclon waren wirksamer als Melatonin, Ramelteon und Zaleplon (SMD 0,27 – 0,71).
  • Bei Chancenverhältnissen OR zwischen 0,70 und 0,72 gab es unter mittel- und langfristig wirkenden Benzodiazepinen sowie Eszopiclon weniger Therapieabbrüche als mit Ramelteon.
  • Bezüglich der Nebenwirkungen zum Studienende schnitten Benzodiazepine, Eszopiclon, Zolpidem und Zopiclon mit OR von 1,27 – 2,78 schlechter ab, als Placebo, Doxepin, Seltorexant und Zaleplon.
  • In der langfristigen Wirksamkeit Eszopiclon und Lemborexant bei SMD von 0,63 bzw. 0,41 besser als Placebo.
  • Melatonin, das mittlerweile vom Markt genommene Ramelteon und nicht-lizensierte Schlafmittel hatten insgesamt „keinen wesentlichen Nutzen“.

Klinische Bedeutung

Die Frage nach dem besten Schlafmittel ist für die Autoren nicht leicht zu beantworten: „Insgesamt haben Eszopiclon und Lemborexant ein günstiges Profil“, schreiben sie. Jedoch könne Ersteres substanzielle Nebenwirkungen hervorrufen, und die Sicherheitsdaten für Zweiteres seien nicht eindeutig. Da es eine Vielfalt von Faktoren zu berücksichtigen gilt, kann auch diese Metaanalyse eine sorgfältige Abwägung nicht ersetzen.

Finanzierung: UK National Institute for Health Research Oxford Health Biomedical Research Centre.