Nekrotisierende Faszitis: Schnellere Diagnose durch neue Biomarker

  • Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI)

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Der entscheidende Schritt für das Überleben der Patienten mit einer nekrotisierenden Faszitis (NF) liegt in der frühzeitigen Diagnose. Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) analysierten mögliche Erregerzusammensetzungen der oft durch bakterielle Mischinfektionen verursachten Krankheit und identifizieren erstmals potenzielle Biomarker.

Verschiedene Erreger arbeiten zusammen

Die HZI-Arbeitsgruppe um Professor Dietmar Pieper und Professor Eva Medina konnten nun erstmals über ein mikrobielles Profiling durch 16S-rRNA-Analysen zeigen, welche Erreger an den Mischinfektionen beteiligt sind. Dazu nutzte das Forscherteam Daten der weltweit größten Patienten-Kohorte zur NF. Für die Analysen standen ihnen humane Gewebeproben von insgesamt 150 Patienten zur Verfügung.

Um die Infektionsmechanismen der einzelnen Erreger sowie die Mischinfektionen besser zu verstehen, führten sie außer dem mikrobiellen Profiling ebenfalls eine sogenannte duale RNA-Sequenzierung an den Gewebeproben durch, die eine Aussage über die Aktivität der Pathogene und der Wirtsantwort direkt am Infektionsort erlaubte.

„Wir konnten zeigen, dass Einzelerreger wie Streptococcus und die Bakterien, die man in Mischinfektionen findet, völlig verschiedene Mechanismen nutzen, was zu unterschiedlichen Prozessen der Gewebezerstörung führt, teilte Prof. Medina, Leiterin der HZI-Forschungsgruppe „Infektionsimmunologie“ in einer Mitteilung des Instituts mit. Die einzelnen Erregerarten teilten quasi ihre Arbeit auf, indem sie wie „in einem Orchester zusammen arbeiten“ und damit in der Lage seien, das Wirtsgewebe zu kolonisieren und  eine zerstörerische entzündliche Immunantwort zu verstärken.

Biomarker für schnellere Diagnose

Feine Unterschiede in der Wirtsantwort auf die Infektion können die Forscher nun als diagnostische Biomarker nutzen, damit Ärzte schnell über den Erreger informiert sind und eine passende Therapie ableiten können. So etwa werden speziell bei einer Streptococcus pyogenes – Infektion zellgiftige Toxine als Virulenzfaktoren exprimiert. Eine starke interferonvermittelte Antwort kann dann als verlässlicher Biomarker genutzt werden. Die Patienten könnten so frühzeitig erfolgreich mit einer Immunglobulin G-Therapie und entsprechenden Antibiotika behandelt werden, betonen die HZI-Forscher. Dies sei auch besonders bedeutsam vor dem Hintergrund zunehmender Antibiotikaresistenzen vieler Bakterienarten. Zukünftige Studien müssten allerdings die neuen Biomarker nun validieren, damit diese als Diagnostik-Tools einsetzbar werden.