Negative Effekte der Blutplättchen-Hemmung nach intrazerebralen Blutungen unwahrscheinlich

  • Lancet Neurology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Die vorliegende Studie ist die vermutlich erste randomisierte, kontrollierte Studie mit einer Subgruppenanalyse anhand von Merkmalen der Hirnbildgebung bei Erwachsenen, die unter einer antithrombotischen Therapie intrazerebralen Blutungen entwickelt hatten. Sie ergab, dass der Beginn einer Therapie mit Thrombozytenaggregationshemmern (TAH) sehr wahrscheinlich das Risiko für ein erneutes Ereignis nicht beeinflusst.

Hintergrund

Ein Großteil der hämorrhagischen Schlaganfälle werden ganz oder teilweise durch Erkrankungen bzw. Schädigungen kleiner Hirngefäße verursacht. Dabei scheinen bestimmte, per Bildgebung erfassbare Merkmale mit einem bis zu 6-fach erhöhten Risiko assoziiert zu sein. Deshalb wurde nun eine Subgruppen-Analyse der RESTART-Studie vorgelegt, die ergeben hatte, dass Thrombozytenaggregationshemmer (TAH) das Risiko für ein erneutes Ereignis senken könnten.

Design

Präspezifizierte Subgruppenanalyse für 254 von 537 Teilnehmern der prospektiven, randomisierten, offenen Studie RESTART. Für die Probanden der Subgruppe waren an britischen Kliniken vollständige MRI-Daten erhoben worden. Die Bilddaten wurden von Neuroradiologen bewertet, denen nicht bekannt war, ob die Teilnehmer TAH erhalten hatten oder nicht, und die Teilnehmer wurden bis zu 5 Jahre lang bezüglich rekurrenter intrazerebraler Blutung (primäres Studienziel) und ischämischer Schlaganfälle (sekundäres Studienziel) verfolgt.

Ergebnisse

  • Es gab weder klinisch noch statistisch signifikante Unterschiede bezüglich der Chancenverhältnisse HR einer Therapie mit oder ohne TAH. Dies galt für alle untersuchten Subgruppen:
    • 2 oder mehr vs. 0 – 1 rekurrente intrazerebrale Blutungen: HR 0,30 (95%-Konfidenzintervall 0,08 – 1,13) vs. HR 0,77 (95%-KI 0,13 – 4,61). p für Interaktion = 0,41.
    • 0 -1 vs. 2 – 4 vs. 5 oder mehr zerebrale Mikroblutungen: HR 0,77; HR 0,32; HR 0,33 (p = 0,75).
    • strikt lobuläre Lokalisation der Blutung vs. andere Lokalisation: HR 0,52 vs. HR 0,37 (p = 0,85)

Klinische Bedeutung

Laut den Autoren schließen diese Befunde aus, dass eine Therapie mit TAH in Gegenwart zerebraler Mikroblutungen mehr als einen sehr kleinen Effekt auf rekurrente intrazerebrale Blutungen haben könnte. Die Zahl der Teilnehmer für diese Auswertung war allerdings klein, die Konfidenzintervalle ziemlich groß, und ein „Selection bias“ ist nicht auszuschließen, sodass weitere randomisierte Studien zu dieser Frage notwendig scheinen.

Finanzierung: British Heart Foundation.