Natürliche Rhythmen beeinflussen den Zeitpunkt von Krampfanfällen bei Epilepsie-Patienten


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die zeitliche Abfolge von Krampfanfällen scheint bei etwa 80 % aller Patienten mit einer Epilepsie von natürlichen Rhythmen beeinflusst zu sein. Bei den meisten sind diese Rhythmen circadian, bei einer Minderzahl wurden Zyklen mit einer Periode von einer Woche und mehr beobachtet, so das Ergebnis der bislang größten Studie zu diesem Thema.

Hintergrund

Die Autoren erinnern daran, dass die Epilepsie schon lange im Verdacht steht, von zyklischen Rhythmen bestimmt zu werden, da die Anfallsraten über Wochen, Monate und sogar Jahre periodisch zu- oder abnehmen. Der oder die „Treiber“ dieser Rhythmen waren aber bisher nicht eindeutig zu bestimmen.

Design

Retrospektive Kohortenstudie mit dem Ziel, die Stärke und Prävalenz der Zyklen epileptischer Krampfanfälle bei einer großen Zahl von Patienten mit mindestens 100 Anfällen zu quantifizieren. Dazu wurden eine Internet-basierte Datenbank und die Aufzeichnungen einer Smartphone-App (SeizureTracker, USA) von 1118 Patienten genutzt, zudem die Aufzeichnungen aus einer kleineren Studie mit 12 Patienten, deren elektrische Aktivität im Gehirn gemessen wurde (NeuroVista, Australien).

Hauptergebnisse

  • Die Auswertung der Daten von 1130 Personen ergab, dass die Anfallsraten bei mindestens 80 % circadian moduliert waren.
  • Zusätzlich zeigten in der größeren Kohorte (n=1118) 7 – 21 % starke circaseptane Rhythmen. Und bei 14 – 22 % fand man Anfallszyklen von mehr als drei Wochen Dauer. Die Hauptanfallszeiten bei den Patienten mit circadianen Rhythmen variierten über den Tag, allerdings traten die Anfälle gehäuft gegen 8 Uhr morgens und 8 Uhr abends auf.
  • Bei etwa 2/3 der Patienten fand man mehr als eine Art von Zyklus, der mit den Anfällen korrelierte.
  • Anfallszyklen wurden bei Männern und Frauen gleich häufig beobachtet, und die Spitzenwerte der Anfallsraten waren gleichmäßig über die Wochentage verteilt.

Klinische Bedeutung

„Um Krankheiten wie die Epilepsie zu behandeln, die sich in ihrer Schwere kontinuierlich verändern, ist es wichtig, deren natürliche Zyklen zu verstehen“, so Erstautor Professor Mark Cook von der Universität Melbourne (Australien) in einer Pressemitteilung. Er geht mit seinen Kollegen davon aus, dass die Zyklen die Wahrscheinlichkeit der epileptischen Anfälle bestimmen nicht umgekehrt. Dies habe bedeutende Implikationen für die Vorhersage und das Management der Anfälle. Beispielsweise könnte die Gabe der Arzneien bzw. deren Dosierung auf die zeitlichen Muster abgestimmt werden.

Finanzierung: Australian National Health and Medical Research Council.