Nationale Versorgungsleitlinie "Chronische KHK" grundlegend überarbeitet


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Chronische KHK ist überarbeitet worden und nun erschienen. Sie ist auf den Internetseiten des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ) frei verfügbar. Bearbeitet wurden die Themen Therapieplanung, nicht-medikamentöse und medikamentöse Therapie sowie Rehabilitation und Versorgungskoordination.

Was wichtig ist

1.Körperliche Aktivität und der Verzicht auf Tabakkonsum sind die wichtigsten nicht-medikamentösen Maßnahmen bei der Behandlung von Patienten mit einer chronischen KHK.

2. ASS und Statine sind Mittel der ersten Wahl bei der medikamentösen Behandlung. Statine sind die einzigen lipidsenkenden Medikamente, für die bei Patienten mit KHK eine Reduktion der Mortalität nachgewiesen ist. Zudem liegt eine langjährige Erfahrung zu Statinen vor. Zu Ezetemib und PCSK9-Hemmern äußert sich die NVL zurückhaltend: Sie können für ausgewählte Patienten eine Option darstellen.

3. Die Langzeitbetreuung von Patienten mit einer chronischen KHK und die Koordination diagnostischer, therapeutischer und rehabilitativer Maßnahmen erfolgt beim Hausarzt. Bei Patienten mit einem besonders hohen kardiovaskulären Risiko legen Hausarzt und Kardiologe gemeinsam individuell angepasste Abstände für die kardiologische Verlaufskontrolle fest.

Was neu ist

1. Patienten haben eine aktive Rolle bei der Gestaltung ihrer Therapie. Sie sollen ermutigt werden, individuelle Therapieziele zu formulieren. Durch Beratung und verständliche Informationen sollen sie im Selbstmanagement und bei Entscheidungen unterstützt werden. Die NVL bietet dafür spezielle Entscheidungshilfen an, die Patienten unterstützend ausgehändigt werden können. 

2. Es ist nicht belegt, dass Patienten mit einem BMI kleiner gleich 30 durch eine Ge- wichtsreduktion ihre Prognose verbessern. Die NVL empfiehlt daher lediglich, eine Gewichtszunahme zu vermeiden. Davon unberührt ist die Empfehlung zu regelmäßigem Training. Denn inaktive Patienten haben unabhängig von ihrem BMI ein höheres kardiovaskuläres Risiko. 

3. Patienten, bei denen eine orale Antikoagulation indiziert ist, wird nach elektiver PCI eine duale Therapie aus oraler Antikoagulation und einem Thrombozytenaggregationshemmer empfohlen. Bei einzelnen Patienten mit hohem ischämischem Risiko kann zusätzlich ASS erwogen werden (Triple Therapie). 

4. Eine KHK ist keine eigenständige Indikation für ACE-Hemmer, Sartane oder Aldosteronantagonisten. Liegt keine anderweitige Indikation vor, sollte ein Jahr nach Myokardinfarkt die weitere Gabe von Betablockern bzw. das Absetzen erneut evaluiert werden. 

5. Eine Rehabilitation wird allen Patienten nach ST-Hebungsinfarkt (STEMI), Nicht-ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI) und koronarer Bypass-Operation empfohlen. Der Übergang vom Krankenhaus in eine Rehabilitationseinrichtung sollte bei unkompliziertem Verlauf bereits nach wenigen Tagen erfolgen. 

 

Das Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (NVL) steht unter der Trägerschaft von Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Mit der Durchführung, Organisation und methodischen Begleitung wurde das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) beauftragt.