Nährstoffkombination bei prodromalem Alzheimer ohne Wirkung auf die Hirnleistung


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Nährstoffkombination Fortasyn Connect (Souvenaid) konnte bei Patienten mit prodromalem Alzheimer Gedächtnis und Denkfähigkeit nicht besser bewahren als ein Scheinpräparat. In der Kernspintomograpie allerdings fand man Hinweise auf eine Verlangsamung der Hirnatrophie.

Hauptergebnisse

  • Bei der neuropsychologischen Testbatterie (NTB) verschlechterten sich die Probanden unter der Testsubstanz um 0,028 (Z-Score) gegenüber 0,108 in der Kontrollgruppe, ein Unterschied, der mit einem P-Wert von 0,166 nicht signifikant war. Die drei aus der NTB abgeleiteten sekundären Endpunkte zeigten ebenfalls keine signifikanten Unterschiede.
  • In der klinischen Einschätzung des Schweregrades der Demenz (CDR-SB) verschlechterten sich Patienten unter Fortasyn Connect um 0,56 Einheiten, die Kontrollen um 1,12, was einen signifikanten Vorteil für die Nährstoffkombination darstellt (p=0,005).
  • Bei den Kontrollen schrumpfte der Hippocampus durchschnittlich um 26 % stärker, als mit der Testsubstanz (p=0,005). Als weiteres Anzeichen für eine Hirnatrophie vergrößerten sich das Volumen der Hirnventrikel bei den Kontrollen im Mittel um 16 % stärker als mit Fortasyn Connect.
  • Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Nährstoffkombination wurden nicht beobachtet.

Design

  • Randomisierte, doppelblinde, multizentrische Parallelgruppen-Studie von 24 Monaten Dauer.
  • 311 Teilnehmer zwischen 55 und 85 Jahren mit prodromaler Alzheimer-Krankheit (mindestens 24 Punkte im MMSE-Test) erhielten täglich entweder 125 Milliliter eines, mit der Nährstoffkombination Fortasyn Connect angereicherten, Jogurtdrinks, oder ein Kontrollprodukt.
  • Primäres Studienziel waren Veränderungen in der neuropsychologischen Testbatterie (NTB) bei der u.a. Worte gelernt und erinnert werden mussten. Daraus abgeleitet wurden mehrere sekundäre neuropsychologische Endpunkte.
  • Weitere sekundäre Endpunkte: Veränderungen beim klinischen Demenz-Rating, durch MRI gemessene Veränderungen des Volumens von Hippocampus und Hirnventrikeln, Progression zur Demenz nach DSM-IV, Laborwerte für Cholesterin und Fettsäuren, Nebenwirkungen.
  • Finanzierung: 7. Forschungsrahmenprogramm der EU.

Klinische Bedeutung

Nach Meinung der Autoren ist die Ernährung ein wichtiger modifizierbarer Risikofaktor der Alzheimer´schen Krankheit. Sie verweisen auf vorausgegangene Studien mit der patentierten Nährstoffkombination Fortasyn Connect (Souvenaid), die einen Nutzen bei beginnender Alzheimer-Demenz gezeigt hätten. Nun wurden auch Patienten im vordemenziellen Stadium behandelt, ohne dabei jedoch signifikante Verbesserungen beim primären Endpunkt und den meisten sekundären Endpunkten zu erzielen. In einer begleitenden Pressemitteilung heben die Autoren zwei positive Effekte hervor, nämlich dass der Schweregrad der Demenz im Urteil der Ärzte sich unter Souvenaid deutlich langsamer verschlechterte und die Bildgebung mit MRI eine Verlangsamung der Hirnatrophie zeigte. Da es keine Hinweise auf spezifische Nebenwirkungen gibt, stehen diesen positiven Effekten „nur“ die Kosten von täglich etwa drei Euro für einen mit Nährstoffen angereicherten Jogurt gegenüber.

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