Nacken- und Rückenschmerzen lassen sich durch eine Schulung und kognitives Training lindern


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Spezifisches Wissen über die neurobiologischen Grundlagen von Schmerzerkrankungen kann offenbar dazu beitragen, die Symptome der Patienten zu lindern.

Hintergrund

Schmerzen des Rückens und des Nackens tragen einen erheblichen Teil zur weltweiten Krankheitslast bei, und sie haben eine starke psychische Komponente.

Design

Randomisierte Studie mit 120 Patienten in zwei Zentren, die an chronischen, unspezifischen Schmerzen im Bereich des Rückens und Nackens litten. Eine Gruppe erhielt 3 Mal eine Edukation über die neurowissenschaftlichen Grundlagen der Schmerzentstehung sowie 15 Mal ein Kognitionstraining (Interventionsgruppe), die zweite Gruppe wurde 3 Mal gezielt über Nacken- und Rückenschmerzen informiert und erhielt 15 Mal eine allgemeine physiotherapeutische Behandlung (Kontrollgruppe). Primäre Studienziele waren das Ausmaß der Schmerzen sowie die körperlichen Funktionen; außerdem wurde per Magnetresonanztomographie nach dem neuronalen Korrelat für eine Besserung gesucht.

Hauptergebnisse

  • Patienten in der Interventionsgruppe hatten nach 3 Monaten eine höhere Schwelle gegenüber Druckschmerzen, sowie nach 6 und nach 12 Monaten geringere Werte beim 100 Punkte umfassenden Central Sensitization Inventory Score (Im Mittel -5,7 bzw. – 6,1 Punkte).
  • Kleine bis mittlere positive Effekte gab es für die Interventionsgruppe auch bezüglich der klinisch relevanten Reduktion der Behinderung nach 3 Monaten (-5,1 Punkte), nach 6 Monaten (-6,4) und nach 12 Monaten (-5,8), sowie bei der psychischen Gesundheit nach 6 Monaten (36,5), und bei der körperlichen Gesundheit nach 3, 6 und 12 Monaten (39,3; 53,0 und 32,2).
  • Die Bildgebung konnte keine Unterschiede an diversen Stellen der Großhirnrinde belegen, die normalerweise mit der Schmerzverarbeitung in Verbindung gebracht werden.

Klinische Bedeutung

Mit ihrer Kombination aus Information über die neurowissenschaftlichen Grundlagen der Schmerzentstehung und Kognitionstraining scheint es den Studienautoren gelungen zu sein, die Wirksamkeit „normaler“ Informationen plus Physiotherapie in vielerlei Hinsicht zu übertreffen. Das – verständlich vermittelte - Wissen über Neuronen und Synapsen, absteigende Schmerzhemmung und zentrale Sensibilisierung kann also einen deutlich positiven Effekt haben. Dass keinerlei Veränderungen der Großhirnrinde festgestellt wurden, stellt die Relevanz bislang gefundener Assoziationen in Frage.

Finanzierung: Agency for Innovation by Science and Technology.