Nachtschicht verringert die Aufmerksamkeit und verlängert die Reaktionszeit

  • Behrens T & al.
  • PLoS ONE
  • 01.01.2019

  • von Dr. Stefanie Reinberger
  • Studien – kurz & knapp
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Kernaussagen

  • Am Ende der Nachtschicht waren Reaktionszeit und Fehlerhäufigkeit im Vergleich zur Tagschicht erhöht.
  • Mehrere aufeinanderfolgende Nachtschichten verbesserten die Reaktionszeit im psychomotorischen Vigilanz-Test. Die Zahl der Fehler ging nach der dritten Nachtschicht in Folge zurück.

Hintergrund

Beschäftigte in Nachtarbeit, die ihren Schlafzyklus an die Arbeitszeiten anpassen müssen, leiden während der Arbeit häufig unter Schläfrigkeit. Sie haben deshalb ein erhöhtes Risiko für Unfälle am Arbeitsplatz sowie auf dem Heimweg. Wenn Personen in Gesundheitsberufen Nachtdienst leisten müssen, könnte auch die Versorgung von Patienten leiden. Während bisherige Untersuchungen meist Probanden verglichen, die entweder Tag oder Nachtarbeit leisten, untersucht die vorliegende Studie bei ein und denselben Probanden, wie sich Tag- und Nachtschicht auf Reaktionszeit und Fehlerquoten auswirken.

Studiendesign

Untersucht wurden 74 Frauen, die am Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum in Gesundheitsberufen arbeiten und deren Dienst entweder auf die Tagschicht sowie unregelmäßig auf die Nachtschicht oder ausschließlich auf die Tagschicht (Kontrollgruppe) fällt. Die Frauen absolvierten jeweils am Ende ihrer Schicht einen psychomotorischen Vigilanz-Test. Der Chronotyp der Probandinnen wurde mithilfe des The Munich Chronotype Questionnaire for Shift Workers (MCTQshift) ermittelt.

Hauptergebnisse

  • Im Vergleich zur Tagschicht war im psychomotorischen Vigilanz-Test die Reaktionszeit (β = 7,64; 95% CI 0,94 - 14,35) und die Zahl der Fehler (exp(β) = 1,55; 95% CI 1,16 –2,08) erhöht.
  • Der Durchsatz im Test war nach Nachtschichten verringert (β = - 15,52; 95% CI - 27,49 - 3,46).
  • Die Reaktionszeit verbesserte sich über mehrere aufeinanderfolgende Nachtschichten hinweg. Die Fehlerquote sank nach der dritten Nachtschicht in Folge.
  • Betroffen waren insbesondere Frauen mit mittlerem und spätem Chronotyp (Eulen). Sie profitieren zudem am meisten von den aufeinanderfolgenden Nachtschichten.

Klinische Bedeutung

„Wir konnten nach einer Nachtschicht eine deutlich verlängerte mittlere Reaktionszeit, aber auch eine höhere Zahl von Fehlern, im Test beobachten“, erklärt Erstautor Thomas Behrens. „Eine schlechtere Testleistung beobachteten wir vor allem bei älteren Probandinnen, Frauen mit einer spät getakteten inneren Uhr – sogenannten Eulen –, und Frauen mit häufigen Atemaussetzern während des Schlafs“, erläutert die Studienleiterin Dr. Sylvia Rabstein. Überraschend sei für die Wissenschaftler vor allem gewesen, dass sich die Reaktionszeit bereits ab der zweiten Nachtschicht verbesserten und sich die Testleistung an die nach einer Tagschicht annäherte. „Obwohl wir einen Trainingseffekt nicht ausschließen können, scheint es so zu sein, dass unregelmäßige oder schnell wechselnde Schichtpläne vermieden werden sollten“, so Thomas Behrens.

Limitierung

Kleine Probandengruppe

Finanzierung

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege.