Nach Nierentransplantation werden Patienten auch kardial rasch fitter

  • JAMA Cardiol

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Erhalten Patienten mit terminalem Nierenversagen ein neues Organ, verbessern sich auch Herz- und Lungenfunktion, und zwar schon innerhalb von 12 Monaten. Die Hypertrophie des linken Ventrikels, Folge einer hypertensiven koronaren Herzerkrankung, bildet sich allerdings in diesem Zeitraum noch nicht zurück. Die Stress-Echokardiografie ist gut geeignet, um die kardiovaskuläre Reserve bei diesen Patienten einzuschätzen.

Hintergrund
Ein großer Teil der Patienten mit terminalem Nierenversagen hat auch eine koronare Herzkrankheit mit Hypertrophie des linken Ventrikels und systolischer und diastolischer Dysfunktion. Einige frühere Studien ließen vermuten, dass sich in Folge einer Nierentransplantation auch die linksventrikuläre Ejektionsfraktion erhöht und sich Lungen- und Kreislauffunktionen verbessern. Die Ergebnisse der bisherigen Studien dazu aber waren inkonsistenz. Nun sind britische Forscher in einer prospektiven, 3-armigen Kohortenstudie dieser Frage nachgegangen.

Design

  • Studienform: prospektive, nichtrandomisierte, 3-armige kontrollierte Kohortenstudie
  • Teilnehmer: 253 Patienten eines großen nephrologischen Zentrums in Großbritannien, der University of Cambridge, durchschnittliches Alter: 48,5 Jahre
  • Studienarme: Patienten mit
    • terminalem Nierenversagen, die ein Transplantat erhalten hatten (KTR; n = 81)
    • terminalem Nierenversagen, die auf der Warteliste standen (NKTR; n = 85)
    • Bluthochdruck ohne chronische Nierenerkrankung (HT; n = 87)
  • Endpunkt: kardiovaskuläre Reserve zum Zeitpunkt 0 (bei Nierenempfängern vor Transplantation) und nach 2 und 12 Monaten (bei Nierenempfängern jeweils nach der Transplantation; Transplantate: zu 91 % lebend gespendete Nieren)
  • Diagnostik: Standarddiagnostik inklusive Belastungs-EKG mit Stress-Echokardiografie

Hauptergebnisse
Zu Beginn der Studie (Zeitpunkt 0) war die kardiopulmonale Reserve bei den Nierenkranken niedriger als bei Patienten mit Hypertonie ohne Nierenerkrankung.

  • Die maximale Sauerstoffaufnahme (V̇O2 max) betrug durchschnittlich 20,7 mL/min/kg in der KTR-Gruppe, 18,9 mL/min/kg in der NKTR-Gruppe und 24,9 mL/min/kg in der HT-Gruppe (p
  • Bei den Transplanatempfängern hatte sich die V̇O 2 max bereits 2 Monate nach dem Eingriff leicht verbessert und nach 12 Monsaten deutlich auf 22,5 mL/min/kg, bei Patienten auf der Warteliste dagegen war der Wert gesunken (17,7 mL/min/kg) und bei den Kontrollen gab es keine wesentlichen Änderungen.
  • Die durchschnittliche linksventrikuläre Ejektionsfraktion erhöhte sich signifikant nach einer Transplantation, nämlich von 60,0 auf 63,3 %.
  • Keine Änderungen gab es allerdings beim linksventrikulären Massenindex, einem Maß für die Linksherzhypertrophie. Der Wert war am höchsten bei Patienten auf der Warteliste ohne Transplantat (113,8 g/m 2), gefolgt von Transplantatempfängern (104,9 g/m 2) und Hypertoniepatienten (87,8 g/m 2)

Klinische Bedeutung
Patienten mit terminalem Nierenversagen, die dialysepflichtig sind, haben nach Transplantation im Allgemeinen nicht nur eine bessere Lebensqualität und ein niedrigeres Sterblichkeitsrisiko. Sie werden auch kardiopulmonal belastbarer, die maximale Sauerstoffaufnahme erhöht sich und die Patienten können dadurch ihre körperliche Fitness weiter verbessern.

Warum sich der linksventrikuläre Massenindex trotz besser werdender Funktion des linken Herzens nicht reduziere, sei unklar, so die Autoren. Möglicherweise sei für die positiven Veränderungen ein Rückgang von Entzündungsprozessen nach Transplantation verantwortlich, dessen Wirkungen mit den bildgebenden Verfahren nicht darstellbar seien.

Finanzierung: British Heart Foundation