Nach Hypertoniestudie SPRINT: Hoher Blutdruck kommt zurück, Überlebensvorteile schwinden

  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die randomisierte SPRINT-Studie mit 9.361 Hypertoniepatienten hatte ergeben, dass ein therapeutischer Zielwert von < 120 mmHg systolisch mit einer signifikant verringerten Mortalität aus kardiovaskulärer Ursache assoziiert ist und mit einer verminderten Gesamtmortalität im Vergleich zu Patienten mit einem Zielwert < 140 mmHg (1). Die Blutdruckwerte beider Gruppen aber gleichen sich nach Studienende allmählich an, die Vorteile einer intensivierten Therapie schwinden (2).

Hintergrund
Hypertonie ist ein wesentlicher beeinflussbarer Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen. Metaanalysen randomisierter Studien haben ergeben, dass eine pharmakologische Senkung des Blutdrucks das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse signifikant vermindert (3). Die Verminderung korreliert sukzessive mit der Absenkung des systolischen Blutdrucks bis zu einem Wert von < 120/70 mmHg. Auch die SPRINT-Studie wies signifikante Vorteile für die Gruppe mit einem Zielwert < 120 mmHg auf. Nun liegt eine Sekundäranalyse zum Langzeit-Follow-up vor.

Design

  • Studienform von SPRINT: prospektiv randomisierte, multizentrische Untersuchung (USA und Puerto Rico)
  • Teilnehmerinnen und Teilnehmer: 9361 Hypertoniepatienten, circa ein Drittel Frauen
  • durchschnittliches Alter zu Studienbeginn: 67,9 Jahre
  • Intervention: Pharmakologische Senkung des systolischen Blutdrucks auf < 120 mmHg (intensivierte Therapie) oder auf < 140 mmHg (Standard) für 2,5 Jahre mit einer Randomisierung 1 : 1
  • Nachbeobachtung im Rahmen von SPRINT: 2 Jahre, insgesamt circa 4,5 Jahre
  • Sekundäranalyse: Beobachtung für weitere 4,5 Jahre (median 8,8 Jahre).
    • Subgruppe von 2944 Patienten, von denen Blutdruckwerte, kardiovaskuläre Sterblichkeit und Gesamtmortalität aus den elektronischen Patientenakten der weiterbehandelnden niedergelassenen Ärzte hervorgingen

Hauptergebnisse

  • Während der Studienphase (median 3,3 Jahre) lag die kardiovaskuläre Sterblichkeit in der Gruppe mit intensivierter Therapie um 34 % unter der der Gruppe mit Blutdrucksenkung auf Standardniveau (< 140 mmHg; Hazard Ratio [HR]: 0,66).
  • Die Gesamtmortalität wurde um 17 % reduziert (HR: 0,83).
  • Ein signifikanter Vorteil der intensiven Blutdrucksenkung war nach dem 1. Jahr und bis zu 2,8 Jahren erkennbar. Danach nahmen die Vorteile ab.
  • Nach einem Follow-up von median 8,8 Jahren und maximal fast 10 Jahren seit Studienbeginn war kein Benefit in der Sterblichkeit mehr erkennbar, weder in der kardiovaskulär verursachten Mortalität, noch in der Gesamtsterblichkeit (HRs 1,02 und 1,08).
  • In der Subgruppe der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, für die Blutdruckdaten im Zeitverlauf vorlagen, ergab sich eine Erhöhung des Blutdrucks von durchschnittlich 127 mmHg zu Beginn der intensivierten Behandlung auf durchschnittlich 132,8 mmHg nach 5 Jahren und auf durchschnittlich 140,4 mmHg nach 10 Jahren.
  • In der Standardgruppe (Ziel: < 140 mmHg) blieb der Blutdruck mit durchschnittlich 138-140 mmHg konstant. 10 Jahre nach Randomisierung betrug er durchschnittlich 140,2 mmHg.

Klinische Bedeutung
Trotz der Erfahrung der Patienten und der Ärzte, dass eine intensive pharmakologische Blutdrucksenkung machbar ist und bereits nach einem Jahr das Sterblichkeitsrisiko reduziert, werden die Ziele systolischer Werte von < 120 mm Hg in der Alltagsroutine nicht weiterverfolgt, heißt es im Kommentar (4). Es sei eine ärztliche, aber auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Bedeutung entsprechender Blutdruckzielwerte und einer effektiven Hypertonietherapie anzuerkennen.

Finanzierung: National Institutes of Health der USA