Myelosdysplastische Syndrome: Luspatercept verhindert Anämie und Bluttransfusionen

  • N Engl J Med

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei Patienten mit myelodysplastischem Syndrom, die refraktär sind gegenüber einer Therapie mit Erythropoetin und regelmäßig Erythrozyten-Transfusionen benötigen, hat Luspatercept in einer großen prospektiv randomisierten Phase-3-Studie den Transfusionsbedarf klinisch relevant und hoch signifikant gesenkt. Eine Zulassung für Europa wird noch in diesem Jahr erwartet. Luspatercept ist eine Substanz mit neuem Wirkmechanismus.

Hintergrund
Myelodysplastische Syndrome (MDS) gehören zu den häufigsten hämatologischen Malignomen. Das mediane Erkrankungsalter liegt bei 75 Jahren. In dieser Altersgruppe liegt die Inzidenz bei >30/100.000 (1). Merkmal der Erkrankung ist eine ineffektive Hämatopoese, die zu Zytopenien führen kann. Ein hoher Anteil der Patienten, die prognostisch in die Kategorie „Niedrigrisiko“ gehören, wird transfusionsabhängig - trotz einer Behandlung mit Erythropoetin.

Für diese Patientengruppe ist das neue Medikament Luspatercept in klinischer Entwicklung. Es ist ein Fusionsprotein, das als Ligandenfalle wirkt: Es bindet Liganden der Transforming-Growth-Faktor-ß-Superfamilie, die über SMAD2- und SMAD3-abhängige Signalwege die Erythropoese unterdrücken. Luspatercept interfriert also mit der Hemmung der Erythropoese, so dass diese wieder in Gang kommt.

Design

  • Studienform: doppelblinde, placebokontrollierte Phase-3-Studie
  • Teilnehmer: erwachsene Patienten mit MDS und entweder
    • ≥15 % Ringsideroblasten oder
    • ≥5 % Ringsideroblasten, wenn gleichzeitig eine SF3B1-Mutation vorlag, und mit
  • Einschlusskriterien: Transfusionsbedarf von ≥ 2 Erythrozyteneinheiten in 8 Wochen während der letzten 16 Wochen vor Randomisierung bei einer Erkrankung, die auf Erythropoese-stimulierende Medikamente bis zu endogenen Leveln > 200 U/L nicht angesprochen hatte.
  • Endpunkte: Transfusionsunabhängigkeit für mindestens 8 Wochen in den ersten 24 Wochen und für mindestens 12 Wochen bei einer Nachbeobachtung für 24 und 48 Wochen

Hauptergebnisse
229 Patienten wurden eingeschlossen und im Verhältnis 2 : 1 randomisiert in eine Verumgruppe (Luspatercept s.c. alle 3 Wochen; n = 153) oder Placebo (n = 76). 43 % der Teilnehmer benötigen vor Studienbeginn ≥ 6 Einheiten Erythrozytenkonzentrate (EK) alle 8 Wochen.

In der Luspaterceptgruppe wurden 38 % der Patienten für mindestens 8 Wochen transfusionsfrei, aber nur 13 % in der Placebogruppe – ein klinisch relevanter und statistisch hoch signifikanter Unterschied (p

Klinische Bedeutung
„Luspatercept kann für viele Betroffene eine gut verträgliche und vor allem hocheffektive Therapie sein“, kommentiert Prof. Dr. med. Uwe Platzbecker, Professor für Hämatologie an der Universität Leipzig, der Patienten in die Studie eingebracht hat (3). „Viele Teilnehmer der Studie blieben zum Teil über mehrere Jahre transfusionsunabhängig.“ Dies verbessere nicht nur die Lebensqualität, sondern vermindere auch das Risiko für eine Eisenüberladung durch regelmäßige Transfusionen von EK. „Wir haben eine neue Therapieoption für eine Patientengruppe entwickelt, für die es bislang außer Transfusionen keine Behandlungsoptionen gibt.“ Eine Zulassung in Europa werde noch in diesem Jahr erwartet.

Finanzierung: Celgene, Acceleron Pharma