Muskuloskelettale Gesundheit: Vitamin-D-Ergänzung beugt Frakturen und Stürzen nicht vor und verbessert Knochenmineraldichte nicht


  • The Lancet Diabetology
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Hintergrund

Die Wirkungen von Vitamin D auf Frakturen, Stürze und die Knochenmineraldichte sind unklar, insbesondere bei hohen Vitamin-D-Dosen. Wir wollten die Wirkung von Vitamin-D-Ergänzung auf Frakturen, Stürze und die Knochenmineraldichte ermitteln.

Methoden

In dieser systematischen Übersichtsarbeit, Metaanalyse mit Zufallseffekten und Studien-Sequenzanalyse verwendeten wir die Ergebnisse aus Literatursuchen in vorher veröffentlichten Metaanalysen. Wir aktualisierten diese Ergebnisse durch eine Suche in PubMed, Embase und Cochrane Central am 14. Sept. 2017, und 26. Feb. 2018, indem wir den Suchbegriff „Vitamin D“ und zusätzliche Schlüsselwörter ohne Spracheinschränkungen verwendeten. Wir untersuchten randomisierte, kontrollierte Studien mit Erwachsenen (> 18 Jahre), die Vitamin D mit unbehandelten Kontrollpersonen, Placebo und niedriger dosierter Vitamin-D-Ergänzung verglichen. Studien mit mehreren Interventionen (z. B. gleichzeitig verabreichtem Kalzium und Vitamin D) waren geeignet, wenn die Studiengruppen sich nur anhand der Vitamin-D-Einnahme unterschieden. Wir schlossen Studien von hydroxylierten Vitamin-D-Analoga aus. Die geeigneten Studien umfassten Daten von Gesamt- oder Hüftfrakturen, Stürzen oder die an Lendenwirbelsäule, gesamter Hüfte, Oberschenkelhals, gesamtem Körper oder Unterarm gemessene Knochenmineraldichte. Wir extrahierten Daten über Patientencharakteristika, Studiendesign, Interventionen, Ergebnisse, Finanzierungsquellen und Interessenskonflikte. Die ko-primären Endpunkte waren Teilnehmer mit mindestens einer Fraktur, mindestens einer Hüftfraktur oder mindestens einem Sturz; wir verglichen die Daten von Frakturen und Stürzen anhand der relativen Risiken mit einer Intent-to-treat-Analyse unter Verwendung aller verfügbaren Daten. Die sekundären Endpunkte waren die prozentuelle Veränderungen der Knochenmineraldichte an Lendenwirbelsäule, gesamter Hüfte, Oberschenkelhals, gesamtem Körper und Unterarm gegenüber der Baseline.

Ergebnisse

Wir identifizierten 81 randomisierte, kontrollierte Studien (n = 53.537 Teilnehmer), die Frakturen (n = 42), Stürze (n = 37) oder die Knochenmineraldichte (n = 41) angaben. In gepoolten Analysen hatte Vitamin D keine Wirkung in Bezug auf Gesamtfrakturen (36 Studien; n = 44.790, relatives Risiko: 1,00; 95 %-KI: 0,93–1,07), Hüftfrakturen (20 Studien; n = 36.655, 1,11, 0,97–1,26) oder Stürze (37 Studien; n = 34.144; 0,97, 0,93–1,02). Die Ergebnisse waren ähnlich in randomisierten, kontrollierten Studien mit hoch dosiertem versus niedrig dosiertem Vitamin D und in Subgruppenanalysen randomisierter, kontrollierter Studien, die Dosen von mehr als 800 IE pro Tag verwendeten. In gepoolten Analysen gab es keine klinisch relevanten Zwischengruppendifferenzen bei der Knochenmineraldichte an jeglicher Stelle (Bereich: -0,16 % bis 0,76 % über 1–5 Jahre). In Bezug auf Gesamtfrakturen und Stürze liegt die Effektschätzung innerhalb der Futility-Grenze für die relativen Risiken von 15 %, 10 %, 7,5 % und 5 % (nur Gesamtfrakturen), was darauf hindeutet, dass Vitamin-D-Ergänzung Frakturen oder Stürze nicht um diese Beträge reduziert. In Bezug auf Hüftfrakturen liegt bei einem relativen Risiko von 15 % die Effektschätzung zwischen der Futility-Grenze und der Unterlegenheitsgrenze, was bedeutet, dass es zuverlässige Evidenz gibt, dass Vitamin-D-Ergänzung Hüftfrakturen nicht um diesen Betrag reduziert, wohingegen weiterhin Unsicherheit besteht, ob sie Hüftfrakturen möglicherweise häufiger werden lässt. Die Effektschätzung liegt innerhalb der Futility-Grenze bei Grenzwerten von 0,5 % in Bezug auf die Knochenmineraldichte von gesamter Hüfte, Unterarm und gesamtem Körper und 1,0 % in Bezug auf Lendenwirbelsäule und Oberschenkelhals, was zuverlässige Evidenz dafür liefert, dass Vitamin D diese Ergebnisse nicht um diese Beträge verändert.

Interpretation

Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass Vitamin-D-Ergänzung Frakturen oder Stürzen nicht vorbeugt oder klinisch bedeutende Wirkungen auf die Knochenmineraldichte hat. Es gab keine Unterschiede zwischen den Wirkungen von höheren und niedrigeren Dosen von Vitamin D. Es ist wenig legitim, Vitamin-D-Ergänzungen einzusetzen, um die muskuloskelettale Gesundheit zu erhalten oder zu verbessern. Diese Schlussfolgerung sollte in klinischen Leitlinien berücksichtigt werden.

Finanzierung

Health Research Council of New Zealand.