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Musiktherapie fördert Gehirnentwicklung bei frühgeborenen Kindern

  • Universitätsspital Zürich

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten

Kernbotschaft

Frühgeborene Kinder haben ein hohes Risiko für Hirnschäden. Dass sich die kreative Musiktherapie (creative music therapy, CMT) positiv auf die neuronale Entwicklung sowie auf bestimmte Hirnregionen bei Frühgeborenen auswirkt, konnten Schweizer Wissenschaftler des Universitätsspitals Zürich in Zusammenarbeit mit dem Universitäts-Kinderspital jetzt erstmals anhand der Bildgebung nachweisen. Die Ergebnisse wurden jüngst in Neuroimage Clinical publiziert.

MRT-Untersuchung der Kindergehirne im Schlaf

Ziel der randomisierten, kontrollierten Machbarkeitsstudie war es, die Rolle der Musiktherapie zu prüfen und die kurz- und mittelfristigen Auswirkungen der CMT auf die strukturelle und funktionelle Konnektivität des Gehirns mit der Magnetresonanztomografie zu messen. Um die Kinder maximal zu schonen, nutzen das Team um die Musikwissenschaftlerin Friederike Haslbeck die Diffusionsgewichtete Magnetresonanztomografie (DTI). Das Verfahren erfordert weder eine Injektion von Kontrastmitteln noch den Einsatz von ionisierender Strahlung, heißt es in einer Mitteilung des Instituts.

Insgesamt randomisierten die Schweizer Forscher 82 Säuglinge und teilten sie entweder der CMT oder der Standardversorgung zu. Die Frühgeborenen der CMT-Gruppe erhielten zwei- bis dreimal wöchentlich Musiktherapie während durchschnittlich 20 Minuten, jedes Kind nach einem individuell erstellten Therapieplan.

Um die kurzfristigen Auswirkungen von CMT auf die Struktur und Funktion des Gehirns zu testen, wurden Diffusionstensor-Bildgebungsdaten und funktionelle Bildgebungsdaten im Ruhezustand erfasst. Die klinische Durchführbarkeit wurde trotz geringer elterlicher Ablehnung hauptsächlich in der Kontrollgruppe nach Randomisierung erreicht, konstatieren die Studienautoren. 40 Kleinkinder blieben als letzte Kohorte für die MRT-Analyse übrig.

Verbesertes Zusammenspiel in Hirnregionen für Motorik und Sprache

Die Auswertung der Daten zeigte wenig Einfluss der Musiktherapie auf die grundlegenden Strukturen des Gehirns. "Bei den Kindern mit Musiktherapie stellten wir jedoch eine signifikant geringere Verzögerung in den Funktionsprozessen zwischen Thalamus und Hirnrinde, stärkere funktionale Netzwerke und ein verbessertes Zusammenspiel verschiedener Hirnregionen, unter anderem in den für die Motorik und Sprache relevanten Bereichen fest", fasst Friederike Haslbeck die Ergebnisse zusammen.

Damit konnten die Schweizer Wissenschaftler erstmals mittels Bildgebung einen positiven und damit schützenden Effekt der Musiktherapie auf die Hirnentwicklung nachweisen, betont das Universitätsspital Zürich. In einer groß angelegten Folgestudie in mehreren Neonatologien der Schweiz will Friederike Haslbeck nun untersuchen, ob sich die Musiktherapie auch längerfristig positiv auf die Entwicklung der frühgeborenen Kinder auswirkt.