Musik reduziert Stress und bessert die Stimmung, gerade bei Kontaktbeschränkungen

  • Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

In epidemischen Notlagen kann Musikhören den Stresslevel senken, der durch allgemeine Kontaktbeschränkungen ansteigt, wie sie auch in Deutschland während der Coronapandemie zeitweise bestanden. Mit diesem Studienergebnis eröffnen sich Perspektiven für eine musikbasierte Intervention, um Stress und Befindlichkeitsstörungen im Alltag zu verringern. Eine solche Intervention wäre einfach, flexibel und ließe sich auf die Bedürfnisse der Betroffenen zuschneiden.

Hintergrund

Psychosomatische Beschwerden wie Schmerzen, Erschöpfung oder Übelkeit, für die sich keine organische Ursache findet, sind in der Allgemeinbevölkerung häufig. In Deutschland liegt die Prävalenz leichter körperlicher Befindlichkeitsstörungen ohne medizinische Diagnose bei 81 %, jeder fünfte Befragte (22 %) hatte in dieser repräsentativen Studie sogar starke ungeklärte Befindlichkeitsstörungen (1). Von Musik ist bekannt, dass sie Befindlichkeitsstörungen und Stress mindern kann. Die entsprechenden wissenschaftlichen Belege stammen allerdings hauptsächlich aus Laborsituationen oder aus dem Klinikkontext (zit. n. [2]). Forscherinnen und Forscher der Universität Wien haben nun die Effekte von Musik während der Lock-down-Phasen in Österreich und Italien im täglichen Umfeld der Menschen untersucht (3).

Design

  • Studienform: Kohortenstudie mit 711 jüngeren Probanden, zu 69,9 % weiblich und durchschnittlich 27 Jahre alt (24,0-36,0 Jahre)
  • Studienzeitraum: April bis Mai 2020 während epidemisch bedingter Lock-down-Phasen
  • Studiensetting: elektronisches Tagebuch über eine App im Smartphone, indem 5 Mal am Tag Fragen zum aktuellen Befinden, körperlichen Beschwerden, Stressniveau und Musikhörverhalten beantwortet wurden

Hauptergebnisse

  • Es wurden 19.641 Teilnehmerangaben ausgewertet, darunter 4677 Einträge zum Musikhören.
  • In Phasen des Musikhörens verminderte sich der Stresslevel. Der Effekt war mit einer Reduktion um durchschnittlich 8 % auf individueller Ebene nicht stark, erreichte aber das Niveau statistischer Signifikanz (p = 0,04).
  • Auch das Gefühl der Anspannung und Nervosität verminderte sich auf der Ebene der Einzelperson mit p-Werten zwischen < 0,004 und < 0,001.
  • Die Stimmung verbesserte sich vor allem dann, wenn die Musik als fröhlich empfunden wurde.

Klinische Bedeutung

Musik könnte gezielt eingesetzt werden, um das Stressempfinden zu modulieren, gerade in psychisch herausfordernden Zeiten wie denen des Lock-downs durch eine epidemiologische Notlage. Es wäre dies ein vergleichsweise einfacher Beitrag zu Coping-Strategien, so das Autorenteam, wenngleich die Effekte nicht ausgeprägt sind und für Einzelpersonen zusätzliche Interventionen indiziert sein könnten.

Finanzierung: Fördermittel der Universität Wien