Mumps: Dritte MMR-Impfung mit 18 Jahren bald auch in Deutschland?


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Warum Mumps in den letzten Jahren ein Comeback unter jungen Erwachsenen hat, ist möglicherweise auf eine nachlassende Schutzwirkung der Impfung zurückzuführen. Das geht aus einer US-amerikanischen Studie hervor, die jüngst in Science Translational Medicine publiziert wurde. Eine Auffrischimpfung im Alter von 18 Jahren könnte das Problem lösen, so die Autoren. In Deutschland hingegen müssen laut RKI erst einmal die großen Impflücken bei Mumps geschlossen werden, bevor über eine dritte MMR-Impfung nachgedacht werde.

Die ansteckende Virusinfektion Mumps, die einst als klassische Kinderkrankheit galt, tritt heute vor allem bei älteren Teenagern und jungen Erwachsenen auf. Zwischen 2001 und 2011 wurden in Deutschland laut RKI mehrere größere Mumps-Ausbrüche registriert. Der größte hiervon war ein überregionaler Ausbruch in Bayern 2010/2011 mit fast 300 übermittelten Fällen. Mehr als die Hälfte der Erkrankten waren 16 bis 24 Jahre alt. Auch an amerikanischen Universitäten kam es in den letzten Jahren unter den Studenten immer wieder zu größeren Mumps-Ausbrüchen. Dies veranlasste die Wissenschaftler Joseph Lewnard und Yonatan Grad von der Havard-School of Public Health in Boston nach den Ursachen zu fahnden. Dazu stellten sie zwei Hypothesen auf: Entweder hat sich ein neuer Virenstamm ausgebreitet oder aber die Schutzwirkung des Impfstoffs nimmt mit der Zeit ab. 

Das Forscherteam analysierte sechs epidemiologische Studien zur Mumps-Erkrankung, die in den USA und Europa zwischen 1967 und 2008 durchgeführt wurden - mit dem Ergebnis, dass die Immunität gegen Mumps nach einer erfolgten Zweifachimpfung offenbar mit der Zeit nachlässt. Basierend auf den Daten schätzten sie, dass ein Viertel der geimpften Personen innerhalb von rund acht Jahren ihre Immunität verlieren kann. Nach 19 Jahren seien bereits die Hälfte und nach 38 Jahren sogar 75 Prozent ohne Schutz. Künftige Mumps-Ausbrüche könnten laut Autoren durch eine dritte Impfung im Alter von 18 Jahren verhindert werden. Keinen Beweis hingegen fanden die Forscher dafür, dass der Impfstoff heute weniger wirksam ist, als noch vor einem halben Jahrhundert.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) sieht indessen als vorrangige Aufgabe, die mangelhaften Impfquoten für die zweifache Mumpsimpfung zu erhöhen. Diese betrug bis 2001 bei den Schuleingangsuntersuchungen unter 50 Prozent. „Unser Ziel ist es derzeit, die großen Impflücken bei Mumps, vor allen bei jungen Erwachsenen, zu schließen“, betont Susanne Glasmacher, Sprecherin des Robert Koch-Instituts im Gespräch mit Univadis. Erst dann mache es Sinn, sich mit der Frage einer dritten Mumpsimfung zu beschäftigen.