Multivitamin-Präparate gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Metaanalyse ergibt keinen Nutzen


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Multivitamin-Präparate verhindern keine kardiovaskulären Todesfälle.

Hintergrund

Die Selbstmedikation mit Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln ist seit vielen Jahren en vogue und auch in Deutschland beliebt geworden. Dies belegt unter anderem eine Studie des Robert-Koch-Instituts. Einige Vitamin- und Mineralstoffpräparate sollen kardiovaskulären Erkrankungen vorbeugen. Wissenschaftliche Beweise, die als ausreichend gelten, gibt es hierfür allerdings nicht. Erst kürzlich ergab eine systematische Analyse von fast 200 Studien von Wissenschaftlern der Universität von Toronto, dass für die meisten Nahrungsergänzungsmittel keine Belege eines kardiovaskulären Nutzens vorliegen. Es gibt allerdings auch positive Studiendaten. 

Design

Auswertung von 18 Studien aus den USA, Europa und Japan, darunter randomisierte und kontrollierte Studien sowie prospektive Kohortenstudien. Insgesamt konnten Daten von mehr als zwei Millionen Personen aus der Allgemeinbevölkerung (Durchschnittsalter knapp 58 Jahre) berücksichtigt werden. Die mittlere Beobachtungsdauer betrug 12 Jahre (5 bis 19). Zur kardiovaskulären Mortalität zählen KHK-bedingte Mortalität und Schlaganfall-Mortalität. Bei der Schlaganfall-Inzidenz wurden tödliche und nicht-tödliche Schlaganfälle berücksichtigt, und zwar ischämische wie hämorrhagische.

 

Hauptergebnisse

Kein Zusammenhang zwischen Multivitamin-Supplementierung und 

  • kardiovaskulärer Mortalität (relatives Risiko [RR] 1,00)
  • KHK-bedingter Mortalität (RR 1,02)
  • Schlaganfall-Mortalität  (RR 0,95; nicht signifikante Differenz)
  • Schlaganfall-Inzidenz (RR 0,98; nicht signifikant).

Auch in zuvor definierten Subgruppen wurde kein Zusammenhang zwischen Multivitamin-Supplementierung und kardiovaskulärer sowie KHK-bedingter Mortalität festgestellt.

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse der systematischen Studienanalyse sprechen nicht dafür, zum Schutz vor Herz-Kreislauf-Krankheiten Multivitamine einzunehmen. Sie stützen damit nach Angaben der Autoren offizielle Empfehlungen. Ratsam ist dagegen eine gesunde Ernährung mit Lebensmitteln pflanzlicher Basis, die viele Vitamine enthalten.

Finanzierung: Für die Studie von Wissenschaftlern der Universität von Alabama gab es laut „American Heart Association“ keine externe Finanzierung.